Verdammnis und Erlösung

23.11.2017
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19:00
 Uhr
Luthers Sterbehaus | Lutherstadt Eisleben
Medaillen als Propagandamedium der Reformation im Kontext bildkünstlerischen Schaffens. Vortrag von Uta Wallenstein (Gotha)

Neben den großformatigen künstlerischen Propagandawerken der Reformationskunst spielten Schaumünzen und Medaillen eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung der lutherischen Lehre. Leichte Reproduzierbarkeit, Dauerhaftigkeit des Materials, aber auch Handlichkeit und die Möglichkeit einer gezielten Verbreitung prädestinierten diese, zu einem führenden bildlichen Propagandaträger zu werden.

So finden sich auf ihnen die geistigen Protagonisten und Anhänger der Reformation ebenso wie ihre führenden Gegenspieler. Religionspolitische Haltungen und Ziele werden in Metall gebannt, biblische und allegorische Szenen breiten sich mit prägnanten theologischen Inhalten auf dem Medaillenrund aus.

Vielschichtig und allgemein weniger bekannt sind die zur Reformationszeit  regelrecht florierenden, unmittelbaren künstlerischen Austauschprozesse in denen sich Malerei, Grafik, Bildhauer- und Medaillenkunst, sowohl in der Vermittlung wesentlicher Bildinhalte, als auch ikonographisch, befanden und dass die Adaption medialer Bildnisstrategien wechselseitig geschah. Besonders in der jüngeren Forschung rücken diese Vernetzungen verstärkt in den Fokus der Betrachtung.

Im Vortrag wird neben wesentlichen bildpropagandistischen Themen der Reformationszeit auf Medaillen näher auf diese Vernetzung künstlerischer Genres eingegangen.

Uta Wallenstein studierte von 1979 bis 1984 Klassische Archäologie und Kunstgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit dem Abschluss Diplom-Archäologin. 1983 absolvierte sie ein Praktikum im Schlossmuseum Gotha in den Abteilungen Münzkabinett und Altertum. Ihre Diplomarbeit schrieb sie zum Thema Die Familienangehörigen des Kaisers Augustus auf den römischen Reichsmünzen. Im September 1984 wurde sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin für antike Numismatik sowie für die Ägypten- und Antikensammlung eingestellt. Seit 1993 betreut sie neben den archäologischen Abteilungen den Gesamtbestand des Gothaer Münzkabinetts (140.000 Objekte).

Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen und Fachaufsätze zum Thema Numismatik, Ägypten, Antike und Kulturgeschichte, ebenso Kuratorin mehrerer großer Sonderausstellungen der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Zu diesen zählen:

„Das Geheimnis der Mumien – Altägyptischer Totenkult, historische Sammelleidenschaft und moderne Forschung“ (1999), „Medailleure des Barock – Künstler der Residenzhöfe“ (2005), „Über Napoleon – auf den Spuren des Kaisers der Franzosen in Gotha“ (2006), „Garten der Lüste – Liebe und Eros in der Kunst vom Altertum bis zur Gegenwart“ (2008), „Anatomie – Gotha geht unter die Haut“ (2010), „Gothas Gold – 300 Jahre Münzkabinett Gotha“ (2012).

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