Sonderausstellungen

01. Oktober 2020 bis 31. Oktober 2022
Luthers Sterbehaus | Lutherstadt Eisleben

Raus mit der Sprache!

Die Sprache Martin Luthers hat die Welt bewegt: Seine und unsere heutige Sprache werden in unserer Mitmachausstellung „Raus mit der Sprache!“ in Eisleben erfahrbar – experimentell, interaktiv und spielerisch!

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20. August 2021 bis 20. Februar 2022
Augusteum | Lutherstadt Wittenberg

Pest. Eine Seuche verändert die Welt

Kaum eine Krankheit hat bis heute solche Spuren in der abendländischen Kultur hinterlassen und das kulturelle Gedächtnis Europas so tief geprägt wie die Pest. In der neuen Sonderausstellung gehen wir der Pest auf den Grund.

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Direktor der Lutherhalle - Oskar Thulin

Irmgard Lohmann und Oskar Thulin
17. Februar 2021
Lutherhaus | Lutherstadt Wittenberg

Vor 50 Jahren, am 18. Februar 1971, starb Oskar Thulin. Er war 39 Jahre lang Direktor der Lutherhalle in Wittenberg, was bislang kein anderer Direktor nach ihm geschafft hat.

Dies ist Anlass für uns, einmal „nur“ 50 und nicht 500 Jahre zurück zu schauen …

„Lutherhalle“ – so hieß übrigens das Wittenberger Lutherhaus in preußischer Tradition bis 2003.

Das Leben Oskar Thulins beginnt 1898 in Aschersleben. Seine Mutter stammt aus Merseburg, sein Vater aus Schweden. Die Familie zieht nach Halle, dort geht der kleine Oskar zur Schule und studiert ab 1917 evangelische Theologie.

Zwischen 1923 und 1925 arbeitet er als Assistent bei Prof. Dr. Johannes Ficker am Institut für Christliche Archäologie und Kirchliche Kunst der Theologischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg. 1927, nach dem zweiten theologischen Examen, erfolgt die Ordination zum Pfarrer. Ein Stipendium ermöglicht ihm, in den folgenden zwei Jahren am Deutschen Archäologischen Institut in Rom zu arbeiten und den Mittelmeerraum zu bereisen.

Am 1. Januar 1930 wird Oskar Thulin vom Preußischen Minister für Wissenschaft, Kultur und Volksbildung und vom Evangelischen Oberkirchenrat in Berlin zum Direktor der Lutherhalle berufen. Er ist der Erste, der diese Funktion hauptamtlich ausführt.

Er prägt das Lutherhaus in dieser langen Zeit in vielerlei Hinsicht: bauliche Veränderungen, die Erweiterung der Ausstellungsfläche, Gestaltung von Sonderausstellungen. Das Wohnhaus Luthers ist nicht mehr nur Gedenkstätte, sondern wird ein für seine Zeit modernes Museum.

Zwei besondere Jubiläen fallen in die Zeit des Nationalsozialismus: Luthers 450. Geburtstag 1933 und im darauffolgenden Jahr „400 Jahre Lutherbibel“ – beides Anlässe für Lutherfestspiele und eine große Sonderausstellung. Der unheilvolle Zeitgeist geht jedoch auch an der Lutherhalle nicht spurlos vorüber. Oskar Thulin tritt bereits 1933 in die NSDAP ein und gehörte der SA an. Parteiämter übt er nicht aus.

1934 heiratet er. Seine Frau, Irmgard Lohmann, ist die Tochter des Magdeburger Generalsuperintendenten. Sie ziehen in das im selben Jahr erbaute Direktorenhaus in direkter Nachbarschaft zur Lutherhalle. Im Laufe der folgenden Jahre bekommen sie sechs Kinder.

Während des Krieges werden Exponate ausgelagert. Auch wenn Wittenberg kein Ziel großer Bombenangriffe ist, gibt es doch Kriegsschäden. Eine der wenigen Bomben geht ausgerechnet zwischen Luther- und Melanchthonhaus nieder. Glücklicherweise bleibt die historische Bausubstanz weitgehend unversehrt. Die Schäden werden beseitigt, die Exponate aus den elf verschiedenen Auslagerungsorten zurückgeholt. Doch leider gibt es dabei auch Verluste. Am 18. Februar 1946, dem 400. Todestag Luthers, wird das Lutherhaus wiedereröffnet.

Neue Zeiten brechen an, und sie sind arbeitsintensiv: Thulin unterrichtet weiterhin Christliche Kunst am Evangelischen Predigerseminar, seit 1955 auch an der Universität Leipzig, und ist Mitglied des Leitungskreises der Evangelischen Akademie, die 1947 in Wittenberg gegründet wird. Zudem veranstaltet er jährliche Tagungen mit christlichen Künstlern in der Lutherhalle.

Ebenfalls 1947 gründet Thulin den „Arbeitskreis Lutherhalle“, dem ca. 70 zumeist Wittenberger Bürger angehören. Seine Referate zu Reformation, Renaissance und Christlicher Kunst finden viele Zuhörer – und das Refektorium wird vom Ausstellungs-  zum Vortragsraum.

Thulin will die umfangreiche Sammlung der Lutherhalle nicht nur bewahren und ausstellen, sondern es geht ihm besonders um die Vermittlung. Er organisiert wissenschaftliche Kongresse für ein Fachpublikum und führt Gäste und Gruppen durch das Museum. Die Führungen des Direktors begeistern. Er stellt sich auf seine Zuhörer ein und erreicht jeden Einzelnen. Ein Eintrag im Gästebuch von 1959 ist ein Beleg dafür:

Der Dresdner Kreuzchor und sein Leiter danken herzlich für die ausgezeichnete Führung. Auch unsre Kleinsten haben sehr viel bekommen. Dafür danke ich ganz besonders.“

450 Jahre Reformation, das Jubiläum 1967, bringt Gäste aus aller Welt in die Stadt und natürlich in die Lutherhalle. „Die Weltwirkung der Reformation“ ist der Titel eines Internationalen Symposiums, das vom 24. bis 26. Oktober 1967 im Hause stattfindet.

Oskar Thulin versteht seine Arbeit als lebenslange Berufung. Doch auch seine Kräfte sind begrenzt. Nach mehreren schweren Erkrankungen stirbt er 1971 am 18. Februar, auf den Tag 425 Jahre nach Martin Luther.

Gerne erinnern wir heute an Oskar Thulin, der für die Geschichte des Lutherhauses von herausragender Bedeutung ist, mit einigen Bildern aus unserem Archiv. Während der coronabedingten Schließung unserer Museen arbeiten einige unserer Kolleginnen in den Räumen des alten Direktorenhauses an der Neuordnung und Archivierung des umfangreichen Nachlasses, den wir bei uns verwahren, und stoßen dabei auf tolle Fundstücke. Außerdem freuen uns über den jüngsten Zugang: ein altes Fotoalbum aus Familienbesitz, das zeigt, wie die Familie Thulin im Direktorenhaus lebte.

 

Bilder aus unserem Archiv:

Die Bildbeschreibungen erscheinen, wenn der Mauszeiger auf dem Bild ruht.

 

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