Sonderausstellungen

01. Oktober 2020 bis 31. Oktober 2022
Luthers Sterbehaus | Lutherstadt Eisleben

Raus mit der Sprache!

Die Sprache Martin Luthers hat die Welt bewegt: Seine und unsere heutige Sprache werden in unserer Mitmachausstellung „Raus mit der Sprache!“ in Eisleben erfahrbar – experimentell, interaktiv und spielerisch!

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20. August 2021 bis 20. Februar 2022
Augusteum | Lutherstadt Wittenberg

Pest. Eine Seuche verändert die Welt

Kaum eine Krankheit hat bis heute solche Spuren in der abendländischen Kultur hinterlassen und das kulturelle Gedächtnis Europas so tief geprägt wie die Pest. In der neuen Sonderausstellung gehen wir der Pest auf den Grund.

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Entdeckungen und Nebengleise

Logo unserer "Abgestaubt"-Reihe. Neues aus der Sammlung
16. Mai 2021
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Wer aufräumt, staunt, was sich in den Tiefen seiner Schränke und Schübe angesammelt hat. Nicht anders ergeht es uns nach dem Umzug des Sammlungsdepots. Viel Arbeit macht das Ganze, weniger der Umzug selbst, sondern das Ordnen, Recherchieren, Abgleichen mit der Datenbank und Inventarisieren. Und natürlich lässt man sich dabei gerne ablenken und von Entdeckungen auf Nebengleise führen. Davon soll heute, am Internationalen Museumstag, die Rede sein. Stauben wir zuerst einen fast vergessenen Bestand ab.

Einblattdrucke

Wir haben ein neues Projekt und eine neue Leidenschaft: Wir machen in Einblattdrucken. Die Stiftung Luthergedenkstätten besitzt rund 1.000 Einblattdrucke des 17. und 18. Jahrhunderts, der größte Teil davon sind Bekanntmachungen der Wittenberger Universität. Außerdem haben wir etliche Drucke, die vom polnisch-sächsischen Königshaus handeln, also von August dem Starken und der erfolgreichen Familienpolitik der Wettiner. Aber zunächst zur Universität, der Leucorea:

Unter unseren Universitätsdrucken befinden sich zahlreiche Vorlesungsankündigungen, so zum Beispiel für eine Vorlesung über Kriegsmathematik, die der Mathematikprofessor Ambrosius Rhode 1618 hielt [Bild 1].

Andere Drucke sind sogenannte Sittenmandate. Sie behandeln und ahnden „Ausschweifungen“ der Wittenberger Studenten. 1642 ist gar die Rede von nächtlichem „grassiren und tumultuiren“ [Bild 2]. Auch wenn man der Jugend ihre „Recreation“ gönne, droht nun vor allem für das Trompeten- und Posaunenblasen des Nachts der Ausschluss von der Universität.

In vielen Drucken werden Promotionsfeiern angekündigt [Bild 3], so 1676 während des Dekanats des Juristen Caspar Ziegler (dessen Porträt Sie übrigens im Großen Hörsaal des Lutherhauses sehen können).

Glückwunschgedichte wie jenes, das 1664 dem Juristen Christian Klengel anlässlich seiner Erhebung in den Adelsstand gewidmet wurde [Bild 4], zeigen, dass Einblattdrucke sehr unterschiedlich aussehen können. Es gibt reine Textblätter, es gibt Bilddrucke, und es gibt alles Mögliche dazwischen.

Leider ist ein beträchtlicher Teil unserer Einblattdrucke in schlechtem Zustand [Bild 5]. Das soll sich ändern! Zwei Kolleginnen inventarisieren gerade den Bestand, im nächsten Schritt wird eine Papierrestauratorin eine Schadenskartierung durchführen. Dieses Vorgehen gilt auch für den Teilbestand zum polnisch-sächsischen Königshaus, für den hier stellvertretend die überschwängliche Geburtsanzeige eines „Helden-Artigen“ Kurprinzen (der spätere August III.) aus dem Jahr 1696 stehen mag [Bild 6].

All das Abstauben förderte dann noch weitere Mappen zutage. Damit wären wir auf den verlockenden Nebengleisen angelangt …

„Eßt Bibernellen und Baldrian, so geht Euch die Pest nicht an“

Weiß jemand, wie die Baldrianwurzel riecht? Sie soll eine arge „Stinkwurzel“ sein. Früher wurde ihr eine Schutzwirkung vor bösen Geistern und eben vor der Pest zugeschrieben, wie die zitierte Redensart belegt. Was das mit der Stiftung Luthergedenkstätten zu tun hat? Beim Umzug fand sich auch eine Kassette mit botanischen Zeichnungen an. Kunstvollen Zeichnungen. Der Urheber ist unbekannt, verschiedene Indizien deuten darauf hin, dass er im späten 18. Jahrhundert tätig war (unter anderem arbeitete er schon mit Carl von Linnés Pflanzensystematik). Ein dicker Packen Zeichnungen ist den Baldrianen gewidmet (wusste jemand, dass es mehr als 250 Baldrianarten in der Welt gibt?), und diese Zeichnungen zählen zu den schönsten [Bild 7]. Auf der Rückseite von Valeriana officinalis, dem Echten Baldrian, hat der unbekannte Botaniker den üblen Geruch der Baldrianwurzel vermerkt. Die Wurzel der schönen Pflanze stinkt also wie die Pest. Wer wissen will, ob ein Kraut gegen die Pest gewachsen ist, komme ab 20. August 2021 ins Augusteum nach Wittenberg. Dann zeigen wir die Sonderausstellung „Pest. Eine Seuche verändert die Welt“.

Nager im Lutherhaus

Unser Unbekannter hatte noch ein weiteres Interessensgebiet: die Nager. Jedenfalls hinterließ er uns eine Handvoll Zeichnungen verschiedener Mäusearten nebst ihrer Beschreibung und Fundgeschichten sowie die Darstellung eines beängstigend muskulösen Eichhörnchens [Bild 8].

Man tritt dem unbekannten Botaniker nicht zu nahe mit der Feststellung, dass seine künstlerische Begabung eher der Pflanzenwelt galt. Prunkstück seiner kleinen Nagergalerie ist der Klappbiber. Um dem weltweit zweitgrößten Nagetier (nach dem Wasserschwein) gerecht zu werden, hat unser Unbekannter nämlich mehrere Blatt Papier aneinandergeklebt, sodass die Zeichnung aufgeklappt auf 120 cm kommt [Bild 9]. Kleine Detailstudien widmete er den scharfen Zähnen, den Hinterpfoten mit Putzkrallen und Schwimmhäuten sowie der Kelle.

Auch 2021 spielen Nager eine nicht unwichtige Rolle im Lutherhaus: Kollege M. interessiert sich für sie als Träger des Pesterregers, Kollege T. denkt beim Stichwort Nager vor allem an „pest control“, worunter das Fernhalten von Getier aus den Museumsräumen fällt. „Abgestaubt“ wüsste zu gern, wer der unbekannte Botaniker und Nagerfreund war und wird dranbleiben. Vielleicht können Sie helfen?

 

Autorin: Anne-Katrin Ziesak

 

Bilder:

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