Luther und die Isolation

Luther als Junker Jörg
30. März 2020
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Unsere Wissenschaftlerin, Dr. Tina Bode, hat sich ein paar aufmunternde Gedanken zur gegenwärtigen Lage gemacht. Und auch hier bestehen natürlich einige Parallelen zwischen der aktuellen #stayhome-Situation und Luthers damaliger Isolation.

 

Einsam daheim? Luther und die Isolation

Luther war … auch nur ein Mensch, und zwar ein sehr geselliger. Ähnlich wie wir heute, tat sich der Reformator im Jahr 1521 schwer damit, von heute auf morgen von der Außenwelt und seinen Freunden isoliert zu sein. Nach seinem Auftreten auf dem Reichstag zu Worms und der Weigerung, seinen Schriften zu widerrufen, hatte ihn Kurfürst Friedrich der Weise auf dem Rückweg nach Wittenberg entführen und auf der Wartburg verstecken lassen. Als Junker Jörg harrte er auf der Burg gut zehn Monate aus.

Er vermisste den Kontakt zu seinen Freunden und Weggefährten schmerzlich und meldete sich in Briefen an sie „von seiner Insel Patmos“, aus der „Wüstenei“, aus dem „Reich der Vögel“ oder aus der „Einöde“. Er fühle sich nutzlos, habe nichts zu tun, sitze den ganzen Tag nur faul herum, klagte er. Um zu wissen, was in der Welt vor sich ging, musste er auf Neuigkeiten warten. - Wie lange wir auf unsere Freunde und Sozialkontakte verzichten und die Nachrichten vorrangig am Bildschirm oder über die sozialen Medien verfolgen müssen, wissen wir derzeit nicht. Ähnlich wie Luther sind wir als Menschen aber in der Lage, die Herausforderung anzunehmen, uns zum Teil im Homeoffice einzurichten (Luther funktionierte sein kleines Zimmer auf der Wartburg in eine Studierstube um) und uns auf das Große und Ganze zu fokussieren: auf das Wohl aller Menschen.

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