Sonderausstellungen

01. Oktober 2020 bis 31. Oktober 2022
Luthers Sterbehaus | Lutherstadt Eisleben

Raus mit der Sprache!

Die Sprache Martin Luthers hat die Welt bewegt: Seine und unsere heutige Sprache werden in unserer Mitmachausstellung „Raus mit der Sprache!“ in Eisleben erfahrbar – experimentell, interaktiv und spielerisch!

weiterlesen

24. Juni 2022 bis 09. Juli 2023
Augusteum | Lutherstadt Wittenberg

Tatort 1522 – Das Escapespiel zur Lutherbibel

Zum 500-jährigen Jubiläum von Luthers Bibelübersetzung präsentieren wir eine Mitmachausstellung im Escape-Raum-Format. Die Ausstellung ist für Schulklassen sowie für Familien und Erwachsenen-Gruppen geeignet.

weiterlesen

Luthers Antwort auf Streitschrift Heinrichs VIII. von England

01. August 2022
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Heute vor (ungefähr) 500 Jahren …

veröffentlichte Luther seine Antwort deutsch auf eine Streitschrift Heinrichs VIII. von England. Um Luthers polemische Antwort auf die „Heinzenschrift“ zu verstehen, muss man zunächst einen Blick zurück auf die Jahre 1520/21 werfen.

1520 waren Luthers drei Hauptschriften erschienen, darunter De captivitate Babylonica ecclesiae (Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche). In der Babylonica hatte Luther einen neuen Sakramentsbegriff entwickelt. Nur noch Taufe und Abendmahl und eingeschränkt die Buße sollten als Sakrament gelten, da sie allein biblisch begründet sind. Diese Absage an die mittelalterliche Sakramentslehre ließ den theologisch interessierten König von England empört zur Feder greifen.

Heinrich VIII. (1491–1547) ist vor allem für seinen Bruch mit Rom und die Begründung einer englischen Staatskirche im Gedächtnis geblieben. Sein bewegtes Eheleben und sein – vorsichtig formuliert – schwieriger Charakter lieferten den Stoff für zahllose Romane und Filme. 1521 war Heinrich jedoch noch nicht der übergewichtige, grausame Despot, der seine Umgebung erzittern ließ, sondern das Idealbild eines Fürsten: groß und athletisch, umfassend gebildet, musisch begabt und ein treuer Sohn der Kirche. Die Geschicke Englands leitete sein politisch gewiefter, prachtliebender Kanzler Kardinal Wolsey, als freundschaftlicher Berater stand Heinrich der große humanistische Gelehrte Thomas More zur Seite.

 

Heinrich gegen Luther

Heinrich war fromm und hatte lebenslang eine besondere Passion für die Theologie. Sein Reich lag – jedenfalls aus kontinentaler Sicht – fast schon am Rand der Welt. Aber auch in England las man Luthers Schriften, der Buchdruck ließ Insel und Kontinent näher zusammenrücken. Allerdings las man Luther heimlich, denn die Bücher des als Häretiker verurteilten Mönchs wurden in England beschlagnahmt und verbrannt.

Was Heinrich bewog, Papst und Kirche gegen den Wittenberger zu verteidigen, waren aber sicher nicht allein Frömmigkeit und Kirchentreue. Gewiss spielte auch der Wunsch nach einem christlichen Ehrentitel eine Rolle. Denn die royale Konkurrenz, der französische und der spanische König, führte bereits Ehrenbezeichnungen wie „Allerchristlichster König“ oder „Katholischer König“, während dem englischen Herrscher ein solcher Schmuck noch fehlte. In seiner Assertio septem sacramentorum contra Martinum Lutherum (Verteidigung der sieben Sakramente gegen Martin Luther) verteidigte Heinrich in elegantem Latein und mit einigen verbalen Ausfällen die Siebenzahl der Sakramente und die päpstliche Autorität gegen Luthers eingangs erwähnte Babylonica. Über Heinrichs Autorschaft bzw. über den Anteil Thomas Mores oder anderer theologisch versierter Köpfe an der königlichen Schrift, die im Juli 1521 in London erschien, ist die Forschung bis heute uneins. Papst Leo X., dem die Assertio gewidmet war, wurde in feierlicher Zeremonie in Rom ein handgeschriebenes und besonders prachtvoll gebundenes Exemplar überreicht, und wunschgemäß würdigte er Heinrichs ritterlichen Einsatz mit der Verleihung des Titels „Defensor Fidei“ – Verteidiger des Glaubens. Die Assertio avancierte zum Bestseller und erfuhr rasch mehrere Auflagen, auch in deutscher Sprache.

 

Luther gegen Heinrich

Fast ein Jahr verstrich ohne eine Reaktion aus Wittenberg. Anlass zum Gegenschlag im Sommer 1522 war dann vermutlich das Erscheinen einer deutschen Fassung der Assertio von der Hand Hieronymus Emsers, mit dem Luther in Dauerfehde lag. Luther war nie um ein deutliches Wort verlegen, wenn es galt, einen Gegner seiner Wahrheit in die Schranken zu weisen, doch in seiner Antwort deutsch, zeigte er sich von seiner gröbsten Seite: „Also viel Hirns ist in dieses Königs Kopf nicht“, urteilte er über den „Junker Heinz“, „dies Buch muss entweder ein Erznarr oder einer, der sich selbst für klug hält, geschrieben haben“. Immer wieder bezichtigt er „Heinz“ zu lügen und benutzt dessen Namen für abfällige Wortspielereien. Genüsslich führt der Doktor der Theologie Martin Luther dann den Nicht-Theologen „Heinz“ vor, einen „unnützen Schwätzer“, der seine, also Luthers Lehre nicht verstanden habe: „Was ist’s, dass ein Esel will den Psalter lesen, der nur zum Sacktragen gemacht ist?“ Der selbst für Luthers Verhältnisse beleidigende Ton befremdete Freund wie Feind. War der „Schalksnarr im Hermelin“ doch immerhin ein europäischer Monarch und Verbündeter des Kaisers.

Mit der Antwort deutsch war die Schlammschlacht zwischen Wittenberg und England aber keineswegs vorbei. Schon Ende September 1522 brachte Luther eine weitere Schrift Contra Henricum Regem Anglie (Traktat gegen Heinrich, König der Engländer) heraus. Auch fanden beide Kontrahenten Unterstützer, die sich ihrerseits zu Wort meldeten. Dies und die weitere Entwicklung der Fernbeziehung zwischen Luther und Heinrich VIII. werden Gegenstand des Novemberbeitrags „Vor 500 Jahren sein …“.

 

Autorin: Anne-Katrin Ziesak, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

 

Bilder

 

Porträt von Heinrich VIII.
Verteidigung der sieben Sakramente gegen Martin Luther
Luther mit dem Doktorhut

« zurück zur Übersicht