Luthers Brief an Kaiser Karl V.

Banner mit Schriftzug "Heute vor 500 Jahren"
28. April 2021
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Unsere Wittenberger Museumsleiterin, Dr. Ruth Slenczka, widmet sich im Folgenden Luthers Brief an Kaiser Karl V., welchen er am 28. April 1521 verfasste.

Heute vor 500 Jahren schrieb Martin Luther einen Brief an Karl V., der erst wenige Monate zuvor in Aachen zum König und künftigen Kaiser gekrönt worden war. Dieser Brief ist als handschriftliches Original erhalten und gehört zu den absoluten Highlights unserer Exponate, welche im Wittenberger Lutherhaus zu finden sind. 2015 wurde der Brief in das UNESCO Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Luther legt in diesem Brief Rechenschaft ab und erläutert, warum er 10 Tage zuvor auf dem Wormser Reichstag seine Schriften nicht widerrufen, sondern verteidigt hatte. Dazu lässt er die Ereignisse noch einmal Revue passieren und stellt seine Position klar und deutlich dar: Er sei in seiner Gewissensentscheidung nicht frei, sondern an Gott, Bibel und Vernunft gebunden. Die Autorität der Schrift steht für ihn höher als die der Kirche. Päpste und kirchliche Konzilien hält er nicht für unfehlbar, sie könnten irren.

Für Karl V. war diese Position inakzeptabel, denn Luther stellte in Frage, wofür der Habsburger stand: Tradition, Altehrwürdigkeit und Ordnung. Wie konnte ein einzelner Mönch aus einer provinziellen Kleinstadt fern der kulturellen Zentren Europas die Wahrheit für sich in Anspruch nehmen, wenn er sich damit gegen die Überzeugungen der römischen Kirche in ihrer über 1000jährigen Geschichte stellte?

Es ist daher durchaus nachvollziehbar, dass Karl V. sich weder von Luthers Rede noch von seinem Brief beeindrucken ließ, sondern ihn verurteilte - obwohl der Mönch die Massen hinter sich hatte, in Worms auf den Straßen gefeiert wurde und auch im Reichstag viele beeindruckt hatte.

Luther ließ sich jedoch nicht mundtot machen, sondern schrieb seinen Brief an Karl V. sowie einen gleichlautenden auf deutsch an die übrigen Angehörigen des Reichstags. Das Manuskript erreichte den Kaiser allerdings nicht persönlich, sondern ging direkt in die Druckerpressen und wurde vielfach nachgedruckt. So stärkte er die evangelische Bewegung, erhöhte Luthers Popularität und machte seinen Protest weithin bekannt. Für viele wurde er zum Vorbild für politischen Protest und Freiheitskampf.

Aber so rebellisch Luthers Brief auch war, er stellte die Autorität des gewählten Kaisers und die Rechtmäßigkeit seiner Herrschaft nicht in Frage. Während der Papst für den Reformator längst zum Antichrist geworden und das Zerwürfnis mit Rom unumkehrbar war, blieb für ihn der Kaiser sein Leben lang die von Gott eingesetzte, rechtmäßige Obrigkeit und Autorität. Widerstand war für ihn nur dann geboten, wenn es um die Verteidigung des Evangeliums ging, das für Luther in ähnlicher Weise wie für uns heute die Menschenrechte jeder staatlichen Gewalt vorgeordnet war.

 

 

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