Melanchthons 500. Hochzeitstag

27. November 2020
Melanchthonhaus | Lutherstadt Wittenberg

Diesen besonderen Tag könnten heute Philip Melanchthon und seine Katharina Krapp feiern. So romantisch das klingen mag, für Melanchthon schien der 27. November 1520 ein schwarzer Tag zu sein. Er betitelte es als den „Tag meiner Trübsal (MBW 111)“. Er suchte sogar biblischen Trost in der heiligen Schrift.

Generell hatte Melanchthon eine, sowohl für damalige als auch heutige Zeit, eher sonderbare Vorstellung vom Eheleben. Sein Wunsch war es, eine Art Männer-WG, gemeinsam mit seinem Freund Johannes Agricola, aufzubauen – mit Frauenbetreuung. Katharina Krapps Mutter, Melanchthons Schwiegermutter, schlug diese Idee, zum Schutze ihrer Tochter, in den Wind.

Schließlich war Katharina Krapp eine 23-jährige Frau aus gutem Wittenberger Hause – eine Familie von Tuchmachern, also Textilhändler. Sie war Halbwaise. Ihr Vater, ein äußerst angesehener Mann und ehemals Mitglied des Stadtrates und mehrfacher Bürgermeister, ist zum Zeitpunkt der Melanchthon’schen Hochzeit bereits seit vier Jahren verstorben.

Der 27. November 1520 war ein Dienstag, der im Mittelalter neben Donnerstag und Sonntag zu den Fleischtagen zählte – also äußerst passend für eine Hochzeitsfeier. Am Fest selbst nahmen neben Luther auch Luthers Eltern, die extra aus Mansfeld anreisten, und ihre Töchter teil, Kollegen Melanchthons der Universität sowie Katharinas Familie, ihre Mutter, Schwestern und ihre vier Brüder. Melanchthons Familie aus dem weit entfernen Bretten waren bei der Feier nicht anwesend.

Katharina und Philipp bekamen vier Kinder. Als seine Frau 1557, also drei Jahre vor ihm selbst, starb, trauerte er um sie. 37 Ehejahre verbrachten die beiden gemeinsam. Was so freudlos begann, endete mitfühlend: „Ich vermisse sie jetzt in vielen Dingen“.

 

Im Sommer 2020 hielt Stiftungsdirektor Dr. Stefan Rhein einen Online-Vortrag über die Hochzeit Melanchthons und die damalige Zeit.

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