Lutherhaus

Über 35 Jahre lang war das Lutherhaus die Hauptwirkungsstätte des Reformators. Als Augustiner-Kloster erbaut, diente es Martin Luther seit 1508 als Wohnhaus – zunächst als Mönch, später zusammen mit seiner Familie. Hier hatte er seine „reformatorische Entdeckung“, hier hielt er Vorlesungen vor Studenten aus ganz Europa, hier entstanden seine Schriften, die die Welt veränderten.

Heute steht Ihnen das Lutherhaus als größtes reformationsgeschichtliches Museum der Welt offen. Schon im Jahr 1883 öffnete es seine Türen für Besucher. Besonders in der Lutherstube, ein weitgehend im Originalzustand erhaltener Wohnraum des Reformators, fühlen sich seither Menschen aus aller Welt in die Zeit Luthers zurückversetzt. 

Adresse

Lutherhaus
Collegienstraße 54
06886 Lutherstadt Wittenberg

Seit jeher besitzt der authentische Ort, an dem Luther lebte und arbeitete, eine besondere Anziehungskraft. In der Lutherstube fanden die berühmten Tischgespräche des  Reformators statt, im Refektorium tischten die Luthers Verwandten, Gästen und Freunden auf. Bahnbrechende Neuerungen ersann der Hausherr in seinem Arbeitszimmer, gelegen in einem Anbau, dessen Fundamente – einschließlich Luthers Latrine – erst 2004 wieder freigelegt wurden.

Die Lutherstube ist der historische Ort
von Luthers Tischreden.

In den weiteren Räumen des Lutherhauses folgt die Ausstellung „Martin Luther. Leben – Werk – Wirkung“ mit einzigartigen Exponaten der Biographie Luthers und erzählt vom familiären Alltag sowie der Bedeutung Martin Luthers und seines Werks bis heute.

Kommen Sie hier der Predigtkanzel aus der Stadtkirche ganz nahe, von der Luther zu den Wittenbergern sprach, seiner Mönchskutte oder der Zehn-Gebote-Tafel von Lucas Cranach. Der „Gemeine Kasten“, eine Art Sozialkasse zur Unterstützung Bedürftiger und Ausgangspunkt sozialer Veränderungen in der Zeit der Reformation, ist ebenso zu sehen wie Luthers Bibel, viele wertvolle Handschriften und Drucke sowie zahlreiche Gemälde des Meisters Lucas Cranach.
 

Martin Luther in Wittenberg

Einen Überblick über Luthers Leben erhalten Sie im biographischen Rundgang im Erd- und ersten Obergeschoss. Luthers Wittenberger Zeit von 1508 bis zu seinem Tod 1546 bildet den Schwerpunkt dieses Rundgangs, der durch alle wichtigen Räume des Hauses führt.
 

Zu Haus bei Martin Luther

In den Kellergewölben erhalten Sie einen Eindruck des Alltagslebens der Familie Luther. Zahlreiche schriftliche Quellen liefern ein genaues Bild vom Haushalt des  Reformators, der von seiner Ehefrau Katharina von Bora wie ein mittelständisches Unternehmen geführt wurde, bei dem die Kostgelder der im Haus wohnenden und speisenden Studenten eine wichtige Einnahmequelle waren.

Katharina führte den Haushalt
wie ein mittelständisches Unternehmen.

Um die Versorgung dieser Hausgemeinschaft zu gewährleisten, unterhielt Katharina eine umfangreiche Land- und Gartenwirtschaft. Anhand von Modellen sind acht Szenen zu sehen und zu hören, die sich in Luthers Haus abgespielt haben. Sie lassen das alltägliche Leben der Familie Luther in Haus, Hof und Garten lebendig werden.
 

Luthers Bild und Lutherbilder

Aus der umfangreichen Sammlung zur bildlichen Lutherrezeption von 1546 bis 1983 schöpft der Ausstellungsteil im zweiten Obergeschoss: Luther auf kleinen und großen Gemälden, Lutherbüsten, Luther auf Medaillen, Gedenkblättern und satirischen Grafiken, auf Tassen und Dosen, dazu Lutherstühle, Luther auf Plakaten und im Film – ein anregender Gang durch die J ahrhunderte auf den S puren Martin Luthers
 

Luthers Latrine

An der Südseite des Hauses wurden mit einem Gebäudefragment weitere historische Schichten des Lutherhauses freigelegt. Im Sommer 2004 fanden sich bei Gartenarbeiten Mauersteine, die zu einem komplett erhaltenen Untergeschoss eines Anbaus gehören. Der Anbau erlangte weltweit Bekanntheit, da sich hier Luthers Toilette befindet. Das freigelegte Fundament im Außenbereich können Sie das ganze Jahr über besichtigen.

„Schwarzes Kloster“, „Hintergebäude des Augusteums“, „Lutherhalle“ und schließlich „Lutherhaus“: die verschiedenen Namen erzählen von der wechselvollen, über 500-jährigen Bau- und Nutzungsgeschichte des Lutherhauses Wittenberg.

Chronik der Baugeschichte und Nutzung

Im Jahre 1504 wurde mit dem Bau des Augustinerklosters begonnen, dessen Hauptgebäude im Wesentlichen dem heutigen Lutherhaus entsprach. Wegen der Farbe der Mönchskutten der Augustiner wurde es bald als das „Schwarze Kloster“ bezeichnet.

Ab 1508 lebte Luther hier als Mönch. Als im Zuge der Reformation das Kloster aufgelöst wurde, bewohnte er das Haus zunächst allein weiter, ab 1525 dann zusammen mit seiner Frau und seiner Familie.

1532 bekam wurde das Haus Luther übereignet. Die Nutzung des Gebäudes als Wohnung für die Familie Luther zog weitreichende Umbau- und Erweiterungsbauten nach sich.

Nach Luthers Tod 1546 übernahm die Universität das Gebäude, die es zum kurfürstlichen Stipendiatenhaus umbaute.

Mitte der 1580er Jahre entstanden der Westflügel und das Vorderhaus. Das zur Straße gelegene Vorderhaus erhielt, in Erinnerung an den Förderer der Universität, August I. von Sachsen, den Namen „Augusteum“.

1844 wurde Friedrich August Stüler mit der Instandsetzung des Hauses beauftragt. Nach seinen Plänen wurde es über vier Jahrzehnte grundlegend erneuert.

Von 1834 bis 1937 wurde das westliche Erdgeschoss von einer Lutherschule genutzt.

1883 wurden einige Räume des ersten Obergeschosses mit der Lutherstube zu einem öffentlich zugänglichen reformationsgeschichtlichen Museum.

Ab 1911 wurden sukzessive größere Flächen des Hauses für die musealen Zwecke genutzt.

Im Jahr 1983 folgte zum Lutherjubiläum und zum 100-jährigen Bestehen des als „Lutherhalle“ bezeichneten Museums eine grundlegende Überarbeitung.

1996 nahm die UNESCO das Lutherhaus in das Kulturerbe der Menschheit auf.

2001 und 2002 wurde das Lutherhaus zuletzt umfassend erneuert und durch ein modernes Eingangsgebäude (Architekten: Pitz & Hoh, Berlin) erweitert. Diese Baumaßnahme ist Beleg für einen respektvollen Umgang mit dem Weltkulturerbe einerseits und einem selbstbewussten Weiterschreiben der Geschichte mit einer modernen Formensprache andererseits. Das neue Eingangsgebäude des Lutherhauses wurde 2004 mit dem Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet.

Mit der Neugestaltung des Hauses und der Dauerausstellung wurde das Museum von der missverständlichen Bezeichnung „Lutherhalle“ in „Lutherhaus“ umbenannt.

Ein halbes Jahrtausend alt, gibt das Lutherhaus noch heute authentisches Zeugnis des Menschen Martin Luther und seines Werks.  

 
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