Luthers Sterbehaus

Martin Luther hatte sein Leben lang enge Kontakte zur Grafschaft Mansfeld. Er reiste mehrfach in seine Geburtsstadt Eisleben, um in die Geschicke der Stadt einzugreifen. Auf seiner letzten Reise, die der Versöhnung der zerstrittenen Landesherren diente, starb der Reformator dort am 18. Februar 1546.

Oberhalb des Eisleber Marktes befindet sich das Museum, das heute Ort des Gedenkens an Luthers Tod ist. Seit 1726 gilt das Gebäude als Luthers Sterbehaus. Der preußische Staat kaufte das Haus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und richtete es als Gedenkstätte ein. Im Jahr 2013 wurde das denkmalgeschützte Haus renoviert und durch einen modernen Neubau zu einem Museumsquartier erweitert.

Die Ausstellung in Luthers Sterbehaus nimmt Sie mit auf die letzte Reise des Reformators. In einem durchgehenden Rundgang können Sie das Ensemble weitgehend barrierefrei erkunden. Aufgrund des Denkmalschutzes sind die Sterberäume davon leider ausgenommen.

Adresse

Luthers Sterbehaus
Andreaskirchplatz 7
06295 Lutherstadt Eisleben

Ausstellung
Luthers letzter Weg

Martin Luther fühlte sich aufgrund seiner Verbundenheit zu Eisleben verpflichtet, zur Schlichtung der jahrelangen Streitigkeiten unter den Mansfelder Grafen beizutragen. Eine erste Vermittlungsreise im Oktober 1545 brachte kein Ergebnis, so dass die Verhandlungen zu Beginn des nächsten Jahres fortgeführt werden sollten. Am 23. Januar 1546 brach Luther in Wittenberg auf. Es sollte seine letzte Reise sein.

„Ich bin hier in Eisleben geboren und getauft worden – was, wenn ich hier bleiben sollte?“

Die letzten Tage und Stunden im Leben des Reformators

„Luthers letzter Weg“ erzählt von der letzten Reise des Reformators und seinen letzten Tagen in Eisleben. Auf der strapaziösen Fahrt erleidet Luther einen Herzanfall. Geschwächt erledigt er dennoch seine Pflichten als Streitschlichter. Trotz seiner zusehends sich verschlechternden Gesundheit hält er außerdem vier Predigten und ordiniert zwei Priester.

Luthers letzte Stunden schildert ausführlich der Sterbebericht seines Vertrauten Justus Jonas an den Kurfürsten. Besonders beeindruckend ist der Bericht von Paul Luther, der Augenzeuge des Sterbens seines Vaters war. Noch in der Todesnacht fertigt der Maler Lukas Furtenagel ein Porträt des Verstorbenen an. Diese Dokumente sind erhalten und werden in der Ausstellung präsentiert.

Luther und der Tod

Anhand zahlreicher Objekte zeigt die Ausstellung auch Luthers Auseinandersetzung mit Sterben und Tod: Welche Erfahrungen hatte Luther als Trauernder, wie handelte er als Tröster und Seelsorger? Welche Rolle spielt der Tod überhaupt in Luthers Theologie und wie beeinflusste diese die Sterbekultur seiner Zeit?

Zu den existenziellen Fragen nach der Endlichkeit des Lebens kommen Ärzte, Sterbebegleiter und Theologen zu Wort, die sich mit dem Sterben in unserer Zeit auseinandersetzen.

Die Sterberäume

Die wichtigsten Räume des Rundgangs sind die so genannten „Sterberäume“ – Schlafkammer und Sterbezimmer. Sie wurden im späten 19. Jahrhundert als Gedenkort geschaffen und von Friedrich Wilhelm Wanderer im Stil des 16. Jahrhunderts ausgestattet. Seit der Neueinrichtung des Museums 2013 sind die restaurierten Objekte und Möbel wieder genau so erlebbar wie einst von Wanderer geplant.

Im Sterbezimmer finden Sie das zentrale Exponat der Ausstellung: das originale Bahrtuch, das 1546 Luthers Sarg bedeckte.

Geschichte des Hauses

Von allen Luthergedenkstätten ist Luthers Sterbehaus wahrscheinlich die ungewöhnlichste. Das liegt an einer Verwechslung im 18. Jahrhundert, in deren Folge man von einem „alten“ und einem „neuen“, einem „echten“ und einem „falschen“ Sterbehaus sprechen kann, auch wenn das neue verwirrenderweise alt und das „falsche“ als Gedenkort durchaus echt ist.

Das historische Gebäude am Andreaskirchplatz, das heutige Museum, dient seit dem 19. Jahrhundert als Ort des Gedenkens an seinen Tod.

2013 wurde das Haus saniert und um einen modernen Erweiterungsbau ergänzt.

Chronik der Baugeschichte und Nutzung

Am 18. Februar 1546 starb Martin Luther in Eisleben. Schon bald danach wurde das Sterbezimmer von vielen Pilgern aufgesucht. Das Sterbebett, dessen Holz man wundersame Kräfte bei Zahnschmerzen zusprach, wurde 1707 von Hallenser Theologen verbrannt, um dem Wunderglauben ein Ende zu bereiten. Im Laufe der Zeit geriet das Sterbehaus in Vergessenheit.

Im 18. Jahrhundert führte bei der Suche nach Luthers Sterbehaus eine Verwechslung zweier Häuser des gleichen Besitzers zu einer falschen Identifizierung. So wurde das heutige Museum am Andreaskirchplatz anstelle des eigentlichen Sterbehauses zum Erinnerungsort. Das Haus, in dem Luther tatsächlich starb, lag am Marktplatz von Eisleben – und wurde 1570 abgerissen.

Die Bausubstanz des historischen Gebäudes ist in seinem Kern lutherzeitlich, was Bauforschungen bestätigten. So wurde etwa der erhaltene Dachstuhl 1514 errichtet. Andere Teile, insbesondere die Fassade und die Raumstruktur, wurden im Laufe der Jahrhunderte verändert.

1863 erwarb der preußische Fiskus das Gebäude. Der spätere Kaiser Wilhelm I. stiftete dafür 6.000 Mark aus seiner privaten Schatulle. Im „Sterbehaus Luthers“ sollte damit eine Gedenkstätte errichtet werden.

In den folgenden 30 Jahren erhielt das Haus sein heutiges Gesicht. Zunächst veränderte Friedrich August Ritter in den Jahren 1863 bis 1865 die biedermeierliche Fassade des Hauses im Stil der Neogotik und passte die Raumstruktur den Berichten über Luthers letzten Aufenthalt in Eisleben an.

Im zweiten Schritt gestaltete der Nürnberger Kunstprofessor Friedrich Wilhelm Wanderer 1893/1894 das Interieur der in den Sterbeberichten genannten Räume.

Im Bewusstsein dieser Tradition bewahrt die Stiftung Luthergedenkstätten dieses Haus als Stätte des Gedenkens an Luthers Tod.

1996 nahm die UNESCO Luthers Sterbehaus in das Weltkulturerbe auf.

Nach einer Sanierung des historischen Gebäudes und der Erweiterung um einen Museumsneubau ist das Ensemble seit 2013 wieder für Besucher geöffnet.

 
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