Melanchthonhaus

Eines der schönsten Bürgerhäuser der Stadt Wittenberg ließ Kurfürst Johann Friedrich 1536 für den Gelehrten Philipp Melanchthon errichten. Damit wollte er ihn als Professor an seine Universität binden. Das stattliche Haus bot ausreichend Raum für Melanchthon und seine Familie wie auch für seine Studenten. Hier lebte er bis zu seinem Tod 1560.

Im historischen Melanchthonhaus wandeln Sie heute buchstäblich auf den Pfaden eines der wichtigsten Akteure der Wittenberger Reformation. Denn über Jahrhunderte erfuhr das Haus kaum Umbauten. Im historischen Gebäude und im 2013 eröffneten Museumsneubau können Sie Leben und Wirken des Reformators in einem weitgehend barrierefreien Rundgang erkunden.

Seit 2016 wachsen in Melanchthons Kräutergarten hinter dem Haus – ganz in der Tradition des kräuterkundigen Gelehrten – wieder Heilpflanzen.

Adresse

Melanchthonhaus
Collegienstraße 60
06886 Lutherstadt Wittenberg

 

Humanist, Reformator, Praeceptor Germaniae („Lehrer Deutschlands“), Außenminister der Reformation, Vater der Ökumene – mit all diesen Titeln wurde Philipp Melanchthon im Laufe der Zeit bedacht. Er wirkte wie Martin Luther als Professor an der Wittenberger Universität und wurde dessen wichtigster Wegbegleiter. Den Gelehrten wie auch den Menschen Melanchthon lernen Sie im Melanchthonhaus kennen.

Hier lebte er seit 1539 bis zu seinem Tod mit seiner Familie, seinen Studenten und vielen Hausgästen. Hier verfasste er die Mehrzahl seiner Schriften, führte heitere poetische Wettkämpfe mit seinen Studenten durch, hier litt er aber auch an Schlafstörungen und Albträumen.

An keinem Ort können Sie Melanchthon näher kommen als in seinem Wohnhaus, das über die Jahrhunderte nie wesentlich umgebaut wurde. Aus diesem Grund ist das Haus selbst das wichtigste Exponat der Ausstellung. Mit Illustrationen und nachempfundenen Alltagsobjekten erhalten Sie einen Eindruck von der Lebenswelt und dem Alltag Melanchthons und seiner Familie.

Seit Jahrhunderten ohne wesentliche Umbauten ist das Melanchthonhaus selbst wichtigstes Ausstellungsstück.

Im Ausstellungsgebäude geben Handschriften, Drucke, Gemälde und Büsten Einblick in Melanchthons Werk und Wirkung. Eine originale Gehaltsquittung des Professors und die erste Stadtgeschichte Wittenbergs, die Melanchthon handschriftlich verfasst hat, sind hier ebenso zu entdecken wie Werke und Briefe seiner Zeitgenossen, darunter die bedeutende Schrift „Confessio Augustana“, das Augsburger Bekenntnis von 1530. Eines der bedeutendsten Exponate ist ein überlebensgroßes Porträt Melanchthons von Lucas Cranach dem Jüngeren.

Die jüngsten Besucher erhalten die Möglichkeit, sich mit einen gusseisernen Schlüssel auf Entdeckungstour zu gehen. Er öffnet Truhen und Schränke mit versteckten Spielen und verborgene Medienstationen, die speziell für Kinder konzipiert wurden. Magdalena, Melanchthons zehnjährige Tochter, führt in Wort und Bild durch die Ausstellung, erzählt von der komplizierten Geschichte der Reformation und gibt Auskunft über die Lebens- und Arbeitsverhältnisse im Hause Melanchthon – nicht nur Kindern.

 

Melanchthons Kräutergarten

 

Philipp Melanchthon besaß vielfältige Interessen. Er erforschte die Literatur der Antike und hielt Vorlesungen über Theologie, beschäftigte sich aber auch intensiv mit naturkundlichen Themen. Für Melanchthon war die Natur Gottes geordnete Schöpfung.

So eignete er sich ein umfassendes Kräuterheilwissen an, das er auch bei Krankheiten in der Familie oder im Freundeskreis anwendete.

Jedes Kraut hat seine eigene Heilkraft, davon war Melanchthon überzeugt.

Im 16. Jahrhundert diente Melanchthons Garten als Nutz- und Kräutergarten, in dem auch Ziegen weideten. Im Jahr 2016 wurde hinter dem Melanchthonhaus wieder ein Kräutergarten angelegt. Mit seinen Hochbeeten und einer klaren Ordnung nach Krankheitsbildern steht er ganz im Sinne seines ersten Eigentümers: Hier gedeihen unter anderem Erkältungs- und Fieberpflanzen, Herzmittel, Verdauungspflanzen und gynäkologische Heilpflanzen.

Besonders in der warmen Jahreszeit lädt Melanchthons Kräutergarten zum Besuch ein. Neben Heilkräutern wachsen hier auch Obst- und Nadelbäume, in deren Schatten Sie im Sommer entspannen können. Ein kleiner Brunnen spendet – wie seit 1556 – erfrischendes Wittenberger Röhrwasser.

 

 

Geschichte des Hauses

Das Melanchthonhaus ist ein architektonisches Kleinod. Das Renaissancebauwerk mit dem markanten Giebel gilt als eines der schönsten Häuser Wittenbergs.

Gebaut wurde es 1539 als Geschenk des sächsischen Kurfürsten an seinen erfolgreichen Professor. Seither wurden kaum Umbauten vorgenommen, so dass die Räume noch heute erfahrbar machen, wo Melanchthon studiert, gespeist und geruht hat.

2013 wurde das Haus instandgesetzt und um einen modernen Neubau ergänzt.

Chronik der Baugeschichte und Nutzung

Philipp Melanchthon wohnte seit seiner Ankunft in Wittenberg 1518 in einem schlichten Fachwerkhaus auf dem Grundstück in der heutigen Collegienstraße 60 – zuerst als Junggeselle, ab 1520 dann zusammen mit seiner Frau.

Der sächsische Kurfürst Johann Friedrich hatte erkannt, dass er einem der wichtigsten Professoren seiner Universität eine repräsentative Wohnstätte bieten musste, um ihn in der Stadt und damit an der Hochschule zu halten. 1535 erteilte der Kurfürst den Auftrag für ein neues, repräsentatives Haus, für dessen Bau er 500 Gulden beisteuerte, weitere 250 Gulden kamen von der Universität.

1536 wurde mit den Arbeiten begonnen, drei Jahre später war das stattliche Haus fertig. Der bis heute unbekannte Baumeister beherrschte die damals moderne architektonische Formensprache, die sich an italienischen Vorbildern orientierte. Ähnliche Giebelaufsätze in Rundbogenform und halbrund geschlossene Portale wie am Melanchthonhaus entstanden wenig früher oder gleichzeitig unter anderem in Dresden, Halle und Torgau.

1556 erhielt das Haus einen Anschluss an das alte Jungfernröhrwasser, eine Frischwasserzuleitung von außerhalb der Stadt, durch die auch das Lutherhaus versorgt wurde.

Nach Melanchthons Tod diente das Haus zunächst weiter als Professorenwohnung. Später bezogen Handwerker das Haus. Über die Jahrhunderte haben alle Bewohner nur wenige bauliche Veränderungen an dem Gebäude vorgenommen.

Um 1620 konnte der Torweg hinzugekauft und an der Straßenseite überbaut werden. Etwa um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert wurde das Treppenhaus an die heutige Stelle verlegt. Aufgrund des ausgezeichneten Erhaltungszustandes kann das Melanchthonhaus als die „authentischste“ aller Reformationsgedenkstätten in Wittenberg bezeichnet werden.

1845 erwarb der preußische Staat das Melanchthonhaus und ließ 1898/99 das Studier- und Sterbezimmer historistisch einrichten.

1954 wurde im Melanchthonhaus ein Heimatmuseum eingerichtet, 1967 wurde es zur Melanchthon-Gedenkstätte.

1996 nahm die UNESCO das Melanchthonhaus in das Kulturerbe der Menschheit auf.

In den Jahren 2011 bis 2013 sanierte die Stiftung Luthergedenkstätten das historisch bedeutsame Gebäude und errichtete auf dem benachbarten Grundstück einen Erweiterungsbau, der das Wohnhaus des Reformators von Funktionen wie Heizung, Sanitär, Kasse und Garderobe entlastet und zugleich Ausstellungsfläche bietet, die den Anforderungen an den modernen Museumsbetrieb gerecht wird.

2016 konnte auch der neugestaltete Melanchthongarten eröffnet werden, der mit einer großen Zahl von Heilpflanzen die botanischen Interessen Philipp Melanchthons und seine Studien zur medizinischen Wirkung von Pflanzen und Kräutern anschaulich erfahrbar macht.

Architektonische Auszeichnungen

  • 2014: Fritz-Hoeger-Preis in Silber
 
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