Sonderausstellungen

01. Oktober 2020 bis 31. Oktober 2022
Luthers Sterbehaus | Lutherstadt Eisleben

Raus mit der Sprache!

Die Sprache Martin Luthers hat die Welt bewegt: Seine und unsere heutige Sprache werden in unserer Mitmachausstellung „Raus mit der Sprache!“ in Eisleben erfahrbar – experimentell, interaktiv und spielerisch!

weiterlesen

 

20. August 2021 bis 20. Februar 2022
Augusteum | Lutherstadt Wittenberg

Pest. Eine Seuche verändert die Welt

Kaum eine Krankheit hat bis heute solche Spuren in der abendländischen Kultur hinterlassen und das kulturelle Gedächtnis Europas so tief geprägt wie die Pest. In der neuen Sonderausstellung gehen wir der Pest auf den Grund.

weiterlesen

 

Erlebnisberichte

Das Erleben der Pest war für jeden der Betroffenen vom 14. bis zum 18 Jahrhundert sehr unterschiedlich. Manche Orte blieben jahrzehntelang oder gar jahrhundertelang von der Seuche verschont, während in anderen die Pest weit häufiger und mit großer Wucht wütete. Unabhängig davon finden sich allerdings für die früheren Pestwellen schriftlich festgehaltene Erlebnisberichte nur dort, wo auch schon die Schriftlichkeit eine größere Rolle spielt. Mit den fortschreitenden Jahrhunderten werden auch die persönlichen Zeugnisse vom Alltag in der Pest zahlreicher. Die folgenden Hörbeispiele sollen exemplarisch das Erleben der Pest aus der Sicht der Betroffenen erfahrbar machen.

Agnolo di Tura

Der Chronist Agnolo di Tura (Lebensdaten unbekannt) beschreibt die Pest von 1348 im italienischen Siena, in der er seine Frau und alle seine fünf Kinder verlor. Angeblich raffte diese erste Pestwelle zwei Drittel der städtischen Bevölkerung dahin.


König Edward III. von England

König Edward III. von England (reg. 1327-1377) hatte 1348 seine Tochter mit dem kastilischen Thronfolger Peter verehelichen wollen, um das Bündnis zwischen England und Kastilien zu festigen. Die 14jährige Joan verstarb jedoch bereits bei ihrer Ankunft im französischen Bordeaux an der Pest. In einem Brief berichtet der trauernde König den Eltern des Bräutigams vom Tod der Prinzessin.


Herrmann von Weinsberg

Der Ratsherr und Chronist Herrmann von Weinsberg (1518-1597) verließ aus Furcht vor der Pest der Jahre 1540/41 die Stadt Köln. In einem Brief an seine kranken Verwandte in der Stadt berichtet er von seiner Angst, nach Köln zurückzukehren, und von seinem schlechten Gewissen dabei. 


Samuel Pepys

Der englische Staatssekretär und Parlamentsabgeordnete Samuel Pepys (1633-1703) ist vor allem für seine Tagebuchaufzeichnungen berühmt. Hierin schildert er auch die Ereignisse der Pest von 1665 aus persönlicher Sicht. Unter anderem berichtet er von der Sorge vieler Zeitgenossen, die gerade erst von König Karl II eingeführte Mode der Echthaarperücken könnte zur Ansteckung mit der Seuche führen.


Jean-Jaques Rosseau

Der Schriftsteller, Philosoph und Komponist Jean-Jaques Rosseau (1712-1778) musste auf seiner Reise nach Venedig 1743 unfreiwillig einen unbequemen Zwischenhalt in Genua einlegen, da sein Schiff unter Pestverdacht stand und unter Quarantäne gestellt wurde. In seinen autobiographischen „Bekenntnissen“ schildert der Autor den Zwangsaufenthalt im Notlazarett, das er allerdings durch den Einfluss seines Arbeitgebers schon nach zwei anstatt der vorgeschriebenen drei Wochen verlassen durfte.