Geschichte und Hintergrundinfos

Luthers Eltern kamen aus dem thüringischen Möhra ins Mansfelder Land, weil der Vater im hiesigen Bergbau die Möglichkeit des beruflichen und gesellschaftlichen Aufstiegs fand. Eisleben war für die junge Familie eine Zwischenstation, bevor sie wenige Monate nach der Geburt des Sohnes Martin weiter nach Mansfeld zog.

Schon im 17. Jahrhundert führte das Haus, in dem Martin Luther 1483 geboren wurde, Besucher und Lutherpilger nach Eisleben. Bei einem Stadtbrand wurde das spätmittelalterliche Fachwerkhaus 1689 jedoch weitgehend zerstört. Durch die anschließenden Erneuerungsarbeiten erhielt das Haus, wiederaufgebaut als Luthergedenkstätte, seine heutige Optik. Das historische Gebäude ergänzen seit 2007 ein moderner Neubau.

Bergbau und Taufe

Die Ausstellung begibt sich auf die Spuren der Familie Luther. Rund 250 Exponate erzählen von der Herkunft des Reformators, der Bergbautätigkeit des Vaters, der Frömmigkeit und Spiritualität des Mittelalters sowie von Luthers Taufe. Auf dieses für Luther wichtigste Ereignis der Zeit in Eisleben verweist ein Taufstein aus dem 16. Jahrhundert aus seiner Taufkirche.

Die lange Tradition des Bergbaus in der Region veranschaulichen zwei um 1290 entstandene Konsolsteine. Sie zeigen zwei im Stollen arbeitende Bergleute, Nappian und Neucke, welche der Legende nach die beiden ersten Bergmänner im Mansfelder Land waren.

 

Frömmigkeit und Spiritualität

Von besonderer künstlerischer Qualität sind die Epitaphe vom Eisleber Stadtgottesacker. Die Gedächtnisbilder zeugen von der Frömmigkeit der Menschen vor und nach der Reformation und zeigen neben den Verstorbenen und deren Familien auch Szenen aus der Bibel mit Ansichten der Stadt Eisleben und deren Umgebung.

Im historischen Gebäude zeigt die Ausstellung ein lebendiges Bild der Wohnkultur in der Zeit um 1500. Holzmöbel und Kachelofen vermitteln einen Eindruck, wie die Familie gewohnt haben könnte. Sie wurden nach historischen Vorbildern und mit alten Techniken gefertigt.

 

Der "Schöne Saal"

Hunderte Jahre des Luthergedenkens an diesem Ort konzentrieren sich im „Schönen Saal“, der seit der Barockzeit für die Erinnerung an Martin Luther steht. Ausgestattet ist er mit zwölf lebensgroßen Porträts sowie einer einzigartigen Plastik eines Schwans – einem Symbol für Martin Luther.

Kirche St. Petri, Lutherarmenschule und Geburtshaus, um 1830

Kirche St. Petri, Lutherarmenschule und Geburtshaus, um 1830

Das Lutherarchiv

Das Haus in der Seminarstraße 2, benachbart zum Geburtshaus, in Eisleben wurde 1861/62 als Schulgebäude errichtet. Seit dem Jahr 2005 befindet es sich im Eigentum der Stiftung Luthergedenkstätten. Das Haus wurde 2015/2016 komplett entkernt und anschließend innen neu errichtet. Dabei wurde die ursprüngliche Fassade aus großen Schlackesteinen integriert.

Die Stiftung Luthergedenkstätten erhielt 2016 mit dem Lutherarchiv erstmals eigene Depot- und Archivräume in Eisleben. Das Lutherarchiv beherbergt Sammlungsbestände der Stiftung sowie die Turmbibliothek aus der St. Andreaskirche. Das Gebäude bietet zudem Räumlichkeiten für Veranstaltungen und Angebote der Kulturellen Bildung.

Architektonische Auszeichnungen Lutherarchiv
2016: Nominierung Preis des Deutschen Architekturmuseums (Longlist) 2017
2016: engere Wahl beim Hannes-Meyer-Preis (Bund Deutscher Architekten, Landesverband Sachsen-Anhalt)

 

Chronik der Baugeschichte und Nutzung Luthers Geburtshauses

Martin Luther wird 1483 im Petriviertel in einem spätmittelalterlichen Fachwerkhaus in der heutigen Lutherstraße geboren.
Mit dem Umzug der Familie nach Mansfeld befindet sich das Haus in den folgenden 200 Jahren in Privatbesitz.

Bereits 1583 wird das Geburtshaus mit einer Gedenktafel gekennzeichnet, die ein bis heute erhaltenes ganzfiguriges Lutherbildnis zeigt.

1689 zerstört ein Stadtbrand das Gebäude zu großen Teilen. Die Stadt Eisleben erwirbt das Grundstück und errichtet darauf eine Luthergedenkstätte, die bis heute erhalten ist.

Mit deren Eröffnung 1693 wird im Geburtshaus im Sinne einer gelebten Lutherverehrung eine Armenschule für bedürftige Kinder eingerichtet, die bis zum 20. Jahrhundert Bestand hat. Im Obergeschoss des Gebäudes entsteht der so genannte „Schöne Saal" mit Porträts von Luther und Melanchthon sowie der sächsischen Kurfürsten. Diese öffentliche Galerie macht das Geburtshaus zu einem der ersten Geschichtsmuseen im deutschsprachigen Raum. Der Unterhalt wurde allein durch Spenden und unregelmäßige Zuschüsse der Stadtkämmerei finanziert.

1817 veranlasst der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Übernahme von Luthers Geburtshaus in staatliche Trägerschaft. Das Gebäude wird renoviert und zum Museum ernannt. Der König stiftet die Lutherarmenschule, die in unmittelbarer Nähe zum Geburtshaus entsteht.

1996 nahm die UNESCO Luthers Geburtshaus in das Weltkulturerbe auf.

2005 bis 2007 wird das Geburtshaus umfassend saniert und durch einen Neubau, der das Geburtshaus und die Armenschule verbindet, sowie durch das heutige Verwaltungsgebäude der Stiftung am gegenüberliegenden Straßeneck erweitert (Entwurf: Springer Architekten, Berlin).

Architektonische Auszeichnungen Museum "Luthers Geburtshaus"
2007: Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt
2008: Belobigung im Rahmen des Deutschen Städtebaupreises
2009: Würdigung durch das Deutsche Architekturmuseum als eines der besten 24 Bauwerke in Deutschland
2009: Hannes-Meyer-Preis, Bund Deutscher Architekten, Landesverband Sachsen-Anhalt
2010: Nike für die beste Raumbildung, Bund Deutscher Architekten


Illustration zu Luthers Geburtshaus

Luthers Geburtshaus

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