Geschichte und Hintergrundinfos

Martin Luther fühlte sich aufgrund seiner Verbundenheit zu Eisleben verpflichtet, zur Schlichtung der jahrelangen Streitigkeiten unter den Mansfelder Grafen beizutragen. Eine erste Vermittlungsreise im Oktober 1545 brachte kein Ergebnis, so dass die Verhandlungen zu Beginn des Folgejahres fortgeführt werden sollten. Am 23. Januar 1546 brach Luther in Wittenberg auf. Es sollte seine letzte Reise sein.

Von allen Luthergedenkstätten ist Luthers Sterbehaus wahrscheinlich die ungewöhnlichste. Das liegt an einer Verwechslung im 18. Jahrhundert, in deren Folge man von einem „alten“ und einem „neuen“, einem „echten“ und einem „falschen“ Sterbehaus sprechen kann. Das historische Gebäude am Andreaskirchplatz, das heutige Museum, dient seit dem 19. Jahrhundert als Ort des Gedenkens an seinen Tod. 2013 wurde das Haus saniert und um einen modernen Erweiterungsbau ergänzt.

Luthers letzter Weg

„Luthers letzter Weg“ erzählt von der letzten Reise des Reformators und seinen letzten Tagen in Eisleben. Auf der strapaziösen Fahrt erleidet Luther einen Herzanfall. Geschwächt erfüllt er dennoch erfolgreich seine Aufgaben als Streitschlichter. Trotz seiner zusehends sich verschlechternden Gesundheit hält er außerdem vier Predigten und ordiniert zwei Priester.

Luthers letzte Stunden schildert ausführlich der Sterbebericht seines Vertrauten Justus Jonas an den Kurfürsten. Besonders beeindruckend ist der Bericht von Paul Luther, der Augenzeuge des Ablebens seines Vaters war. Noch in der Todesnacht fertigt der Maler Lukas Furtenagel ein Porträt des Verstorbenen an. Diese Dokumente sind erhalten und werden in der Ausstellung präsentiert.

 

Luther und der Tod

Anhand zahlreicher Objekte zeigt die Ausstellung auch Luthers Auseinandersetzung mit Sterben und Tod: Welche Erfahrungen hatte Luther als Trauernder, wie handelte er als Tröster und Seelsorger? Welche Rolle spielt der Tod überhaupt in Luthers Theologie und wie beeinflusste diese die Sterbekultur seiner Zeit?

Zu den existenziellen Fragen nach der Endlichkeit des Lebens kommen Ärzte, Sterbebegleiter und Theologen zu Wort, die sich mit dem Sterben in unserer Zeit auseinandersetzen.

 

Die Sterberäume

Die wichtigsten Räume des Rundgangs sind die so genannten „Sterberäume“ – Schlafkammer und Sterbezimmer. Sie wurden im späten 19. Jahrhundert als Gedenkort geschaffen und von Friedrich Wilhelm Wanderer im Stil des 16. Jahrhunderts ausgestattet. Seit der Neueinrichtung des Museums 2013 sind die restaurierten Objekte und Möbel wieder genau so erlebbar wie einst von Wanderer geplant.

Im Sterbezimmer finden Sie das zentrale Exponat der Ausstellung: das originale Bahrtuch, das 1546 Luthers Sarg bedeckte.

Bauaufnahme des Sterbehauses vor dem Umbau, 1863

Bauaufnahme des Sterbehauses vor dem Umbau, 1863

Entwurfszeichnung für die Neugestaltung, 1863

Entwurfszeichnung für die Neugestaltung, 1863

Chronik der Baugeschichte und Nutzung

Am 18. Februar 1546 starb Martin Luther in Eisleben. Schon bald danach wurde das Sterbezimmer von vielen Pilgern aufgesucht. Das Sterbebett, dessen Holz man wundersame Kräfte bei Zahnschmerzen zusprach, wurde 1707 von Hallenser Theologen verbrannt, um dem Wunderglauben ein Ende zu bereiten. Im Laufe der Zeit geriet das Sterbehaus in Vergessenheit.

Im 18. Jahrhundert führte bei der Suche nach Luthers Sterbehaus eine Verwechslung zweier Häuser des gleichen Besitzers zu einer falschen Identifizierung. So wurde das heutige Museum am Andreaskirchplatz anstelle des eigentlichen Sterbehauses zum Erinnerungsort. Das Haus, in dem Luther tatsächlich starb, lag am Marktplatz von Eisleben – und wurde 1570 abgerissen.

Die Bausubstanz des historischen Gebäudes am Andreaskirchplatz ist in seinem Kern lutherzeitlich, was Bauforschungen bestätigten. So wurde etwa der erhaltene Dachstuhl 1514 errichtet. Andere Teile, insbesondere die Fassade und die Raumstruktur, wurden im Laufe der Jahrhunderte verändert.

1863 erwarb der preußische Fiskus das Gebäude. Der spätere Kaiser Wilhelm I. stiftete dafür 6.000 Mark aus seiner privaten Schatulle. Im „Sterbehaus Luthers“ sollte damit eine Gedenkstätte errichtet werden.

In den folgenden 30 Jahren erhielt das Haus sein heutiges Gesicht. Zunächst veränderte Friedrich August Ritter in den Jahren 1863 bis 1865 die biedermeierliche Fassade des Hauses im Stil der Neogotik und passte die Raumstruktur den Berichten über Luthers letzten Aufenthalt in Eisleben an.

Im zweiten Schritt gestaltete der Nürnberger Kunstprofessor Friedrich Wilhelm Wanderer 1893/1894 das Interieur der in den Sterbeberichten genannten Räume.

Im Bewusstsein dieser Tradition bewahrt die Stiftung Luthergedenkstätten dieses Haus als Stätte des Gedenkens an Luthers Tod.

1996 nahm die UNESCO Luthers Sterbehaus in das Weltkulturerbe auf.

Nach einer Sanierung des historischen Gebäudes und der Erweiterung um einen Museumsneubau ist das Ensemble seit 2013 wieder für Besucher geöffnet.

 

Architektonische Auszeichnungen
2013: Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt
2014: Fritz-Höger-Preis (Gold)
2015: Hannes-Meyer-Preis, Bund Deutscher Architekten
2015: Anerkennung Deutscher Ziegelpreis
2016: Nike für Atmosphäre, Bund Deutscher Architekten


Illustration zu Luthers Sterbehaus

Luthers Sterbehaus

Begleiten Sie Martin Luther auf seinem "letzten Weg" im Museum "Luthers Sterbehaus".

Pinsel auf mehreren kleinen Leinwänden

Kulturelle Bildung

Entdecken Sie die Angebote der Kulturellen Bildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Illustration zu Luthers Geburtshaus

Luthers Geburtshaus

Im Museum "Luthers Geburtshaus" gehen Sie der Herkunft Luthers auf die Spur.