Luther im Gespräch mit Ludwig van Beethoven

29.02.2020
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19:30
 Uhr
Lutherhaus | Lutherstadt Wittenberg
Friedrich Schorlemmer und Friedrich Dieckmann befragen Beethoven und Luther

„Die Messe von Beethoven ist unausstehlich lächerlich und abscheulich, ich bin beschämt und wütend“, schrieb Fürst Nikolaus Esterházy im Jahre 1803. So hätte sich 1517 auch mancher römischer Theologe zu Luthers Thesen äußern können. Beethoven und Luther vereint also ihre polarisierende Wirkung auf die Zeitgenossen; in ganz unterschiedliche Kontexte führen sie aber doch. Diese Unterschiedlichkeit macht es nun umso reizvoller, die beiden miteinander ins Gespräch über Gott und die Welt zu bringen. Von der Kirche ihrer jeweiligen Zeit hielten weder Luther noch Beethoven viel. In seinem Oratorium „Christus am Ölberg“ deutete Beethoven Christus als zugewandten Menschen und stellte einen "undogmatischen" Jesus vor. Man kann sagen, dass Beethoven damit einen Impuls Luthers schöpferisch weiterspann: die Entdeckung der religiösen Individualität und der Begabung mit Freiheit durch Gott. Wie Luther war Beethoven davon überzeugt, dass die Gläubigen unmittelbar mit Gott kommunizieren können, doch brachte er diese Überzeugung ganz anders zum Ausdruck. Beethoven brachte einen eigenen Mythos zum Tönen und eignete sich religiöse Motive in recht freier Weise an. Ihn faszinierte das Ringen der menschlichen Seele, die auch in der Finsternis des Leidens die Suche nach dem Licht der Gottesgewissheit nicht aufgibt. Die Hörer seiner Musik sollten zum Einsatz gegen die Gewalten der Finsternis ermutigt werden. Beethovens 9. Symphonie verwandelt den Götterfunken der Freude in Musik. In "Fidelio" kritisiert er die gesellschaftliche Unterdrückung und feiert die Befreiung aus Gefangenschaft. Prometheus und Christus wurden Beethoven zu einer Person, zum Lichtbringer. Was wohl Luther zu all dem gesagt hätte?

Moderation: PD Dr. Eva Harasta und Dr. Stefan Rhein

Eine Kooperationsveranstaltung mit dem Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt e.V.

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