Verehrt. Geliebt. Vergessen. Maria zwischen den Konfessionen

Blick in die Ausstellung "Maria zwischen den Konfessionen"
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Erste Ausstellung zu Luther und Maria!
Maria wird bis heute in der katholischen Kirche tief verehrt. Für Luther war sie die „liebe, werte Magd“, auf die er zahlreiche Predigten hielt. Doch bei seinen protestantischen Nachfahren ist sie weithin vergessen. Wie kommt es, dass Maria, im gesamten Christentum die Mutter Gottes, die Konfessionen trennt? Die Ausstellung handelt von diesem Wandel. Eindrucksvolle Schnitzplastiken, Tafelgemälde, Druckgrafiken und Schriften des 15. und 16. Jahrhunderts präsentieren die Vielfalt der Marienbilder, die von der prachtvollen Himmelskönigin bis zur demütigen Magd Gottes reichen.

Maria: auch eine evangelische Gestalt!
In Luthers Arbeitszimmer hing ein Marienbild. Gleichzeitig polemisierte er heftig gegen die zahlreichen Marienwallfahrtsorte und den zeitgenössischen Marienkult. Und doch war Luthers Wittenberg auch eine Marienstadt: mit der Stadtkirche St. Marien, den Marien-Reliquien in der Schlosskirche und dem tiefen Marienglauben des Kurfürsten Friedrichs des Weisen. Nach Luthers Tod vertieften sich die konfessionellen Gräben und die Marienverehrung wird immer mehr zum Charakteristikum der katholischen Kirche. Die Protestanten hingegen zerstörten ihre Bilder und Statuen oder versteckten sie in sogenannten Götzenkammern. Die Ausstellung stellt die wechselvolle Geschichte der Marienfrömmigkeit im Reformationsjahrhundert mit wertvollen Zeugnissen der Kunst wie auch der Theologie, Literatur und Musik aus rund 50 Sammlungen vor. Die Leihgeber kommen aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien. Etwa 110 Exponate aus Kunst, Literatur und Alltag zeigen Maria zwischen den Konfessionen.

Eintrittspreise

Einzelticket: 6€
Einzelticket ermäßigt: 4€
Feierabendticket: 5€
Schüler: 3€
Gruppenticket (ab 10 Personen): 4€ pro Person

Kombi-Ticket Lutherhaus & Augusteum: 11€
Kombi-Ticket ermäßigt: 6€
Gruppen-Kombiticket (ab 10 Personen): 10€ pro Person
 

Buchungen

Bitte wenden Sie sich an unser Servicebüro, per E-Mail service@martinluther.de oder telefonisch unter 03491 - 4203171.

Führungsangebote

Öffentliche Führungen

sonntags 14 Uhr
Dauer: 60 Minuten
Kosten: 4€ zzgl. Eintritt

Gruppenführungen

auf Voranmeldung, bis max. 25 Personen
Dauer: 60 Minuten
Kosten: 50€ zzgl. Gruppenticket

Kuratoren-/Fachführungen

Dauer: 60 Minuten
Kosten: 10 Euro (inkl. Eintritt zur Sonderausstellung)
Themen und Termine:

  • Wallfahrt und Wallfahrtskritik, 27. Juni - Mirko Gutjahr
  • Marienfrömmigkeit und -verehrung im Spätmittelalter, 4. Juli - Dr. Tina Bode
  • Marienbilder in konfessioneller Perspektive, 18. Juli - Dr. Katja Schneider
  • Luther und Maria, 1. August - Dr. Stefan Rhein

Kombiführung Sonderausstellung + Lutherhaus

Führungen auf Voranmeldung
Dauer: 120 Minuten
Kosten: 90€ zzgl. Gruppen-Kombiticket

Kulturelle Bildung

Während der Sonderausstellung bietet auch die Kulturelle Bildung in Wittenberg Sonderprogramme für Kinder und Jugendliche an. Alle Angebote enthalten eine altersgerechte Führung durch die Sonderausstellung "Verehrt. Geliebt. Vergessen. Maria zwischen den Konfessionen" und die gewünschte Aktion.
Anmeldungen sowie Fragen bitte direkt per E-Mail an bildung.wittenberg@martinluther.de oder telefonisch unter 03491 – 4203116.

Marias Farben – Warum Maria blau trägt!

Warum erkennt man Maria immer sofort als Maria? Dieses hängt nicht nur mit dem Christuskind zusammen, sondern auch mit den Farben, die sie trägt, fast immer blau und rot. Die Kostbarkeit der Farben unterstreicht die Einzigartigkeit und Besonderheit Marias. Die Farbe Blau verkörpert das Himmlische und Rot steht für die Liebe der Mutter Gottes.

Marias Farbenlehre

Besonders Blau war schon immer eine schwer zu beschaffende und daher sehr wertvolle Farbe. Lernt in diesem Workshop über die Symbolik der Farben in den verschiedenen Jahrhunderten und über deren Herstellung und Verarbeitung. Damit wird in diesem Workshop eure ganz persönliche Maria gestaltet.

öffentliche Termine: 18. April, 23. Mai, 6. Juni und 15. August jeweils 16.30 Uhr
Dauer: 2,5h
Preis: 6 € pro Schüler

Mutter-Gottheiten durch die Jahrhunderte

Was haben Venus von Willendorf, Isis mit dem Horusknaben und Kybele gemeinsam? Sie alle sind verehrte Gottheiten ihrer Zeit. Bis hin zur Maria der Gegenwart zeigen sie alle die Einzigartigkeit und Besonderheit der Muttergottes. In unserer Werkstatt gestaltet ihr eure Maria ganz individuell – verschiedene Materialien und Techniken lassen der Fantasie freien Lauf.

Dauer: 2,5h
Preis: 6 € pro Schüler

Pressematerialien

Sehr gern können Sie für Werbezwecke unter Angabe "© Stiftung Luthergedenkstätten" die Materialien für die Sonderausstellung "Verehrt. Geliebt. Vergessen. Maria zwischen den Konfessionen" nutzen. Für weiteres Pressematerial und Pressefotos wenden Sie sich bitte an Kathleen Prescher unter veranstaltung@martinluther.de oder 034 91 – 420 31 21.

Anreise

Auf der A9 (Nürnberg - Berlin) bitte die Ausfahrt Coswig (8) nehmen und der B187 bis nach Wittenberg folgen.

Mit der Bahn lässt sich die Ausstellung sehr gut auf den Strecken zwischen Berlin und Halle/Leipzig erreichen. Vom Berliner Hauptbahnhof aus fährt man mit dem ICE in etwa 45 Minuten nach Wittenberg, von Leipzig aus sind es mit dem ICE/IC etwa 40 Minuten Fahrtzeit, von Halle mit dem IC ebenfalls etwa 40 Minuten, vom Flughafen Halle/Leipzig 55 Minuten, von den Berliner Flughäfen ca. 80 Minuten mit Umstieg.


Die Highlights der Ausstellung

Aus den etwa 110 Exponaten aus mehr als 50 Sammlungen gibt es viele Highlights in der neuen Sonderausstellung, die besichtigt werden wollen. In den nächsten Wochen stellen wir an dieser Stelle einige Exemplare vor.

Um die Ausstellungsstücke in ihrer vollen Pracht sehen zu können, bitte zum Vergrößern auf das jeweilige Bild klicken.

Cranachs Madonna

Cranachs Maria mit dem umhalsenden KindDer Mai ist ein Marienmonat. In katholischen Kirchen werden Marienandachten gefeiert, Marienlieder gesungen und der Rosenkranz gebetet. Im schönsten Monat des Jahres, in dem der Frühling erwacht, wird also Maria als der schönsten Frau gedacht.

Davon zeugt auch Cranachs Bildnis der Madonna mit dem sie umhalsenden Kind. Seit über 400 Jahren befindet sich das Original in Innsbruck und wird dort als Mariahilf-Bild verehrt. Dafür allerdings musste es konvertieren: Denn Cranach malte das Gemälde um 1540 im Auftrag des Kurfürsten als reformatorisches Marienbild, das Maria so zeigte, wie Luther sie sah: als einfache Frau, ohne Heiligenschein, als liebende Mutter, die dem Betrachter ihren Sohn, den Sohn Gottes als Erlöser präsentiert.

Als Johann Friedrich 1547 die Kurwürde verlor, kam das Gemälde offensichtlich nach Dresden in die Kunstkammer und wurde 1611 dem Habsburger Erzherzog Leopold V. geschenkt. Er brachte es zunächst nach Passau und dann nach Innsbruck. An beiden Orten stieg Cranachs Madonna zum Gnadenbild auf und begründete eine Marienwallfahrt. Im Innsbrucker Dom ist es bis heute Bestandteil eines reich verzierten barocken Hochaltars. Die Wittenberger Cranach-Werkstatt kopierte das Motiv mehrfach, eine Version gehört den Schweriner Kunstsammlungen und erzählt in der Ausstellung die aufregende Geschichte der Rückverwandlung eines protestantischen Madonnenbildnisses zum katholischen Gnadenbild.

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Maria aus Budapest

Die neue Sonderausstellung im Augusteum versammelt prachtvolle Kunstwerke, darunter farbenfrohe Gemälde oder die mit Perlen und Edelsteinen besetzte Prachtmitra von Kardinal Albrecht, dem Gegenspieler Luthers aus Halle. Die auf dem Foto dargestellte Madonnenskulptur aus Lindenholz, rund 115 cm hoch, fällt nicht sofort ins Auge, da sie ihren ursprünglichen Goldlack im Lauf der Jahrhunderte verloren hat. Als Leihgabe aus der Ungarischen Nationalgalerie Budapest hat die Figur aus dem frühen 14. Jahrhundert einen weiten Weg bis nach Wittenberg hinter sich. Weltweit haben sich nur wenige Statuen mit dieser Eigenheit erhalten: Der Kopf des Jesuskindes ist beweglich und sitzt auf einem drehbaren Zapfen. Mit Schnüren, die in der ausgehöhlten Holzskulptur unsichtbar vor den Augen der Betrachter verliefen, konnte der Kopf des Kindes zu seiner Mutter gedreht oder abgewendet werden.

Die damalige Zeit liebte solche „handelnden Bildwerke“. In den Kirchen fanden an den Festtagen manchmal sogar richtige Schauspiele statt, wenn man beispielsweise die Himmelfahrt durch eine Christusfigur, die an Seilen bis unter das Kirchendach hochgezogen wurde, inszenierte.

Der auch in Wittenberg residierende sächsische Kurfürst Johann Friedrich besaß eine solche Marienfigur. Luther ärgerte sich gewaltig darüber, welche Geschäfte man mit ihr trieb. Denn das Christkind drehte seinen Kopf besonders gern zu den reichen Gläubigen, die vor ihr knieten und eine große Geldgabe versprachen. Manchmal soll sich sogar eine Person hinter der ausgehöhlten Marienskulptur versteckt haben und aus dem Hohlraum, als wäre sie Maria, gesprochen haben. Diese Verknüpfung von Geld und Glaube kritisierte Luther heftig – nicht nur beim Ablass, sondern auch bei der Marienverehrung.

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Prachtmitra

Marienverehrung und Luxus kommen in dieser kostbaren Mitra zusammen, die wohl um 1514 entstanden ist. Der junge Erzbischof Albrecht residierte seit diesem Jahr in der Moritzburg in Halle. Hier stiftete er auch eine neue große Kirche, die er Maria weihte. Der Seidensticker Hans Plock berichtet, er habe Albrecht „ein Bischofshut gemacht, der kost ob hundert tausend Gulden“. Mit Perlen, Edelsteinen, Goldplättchen und feiner Seide wird die Verkündigung des Engels an Maria in Szene gesetzt, auf der Rückseite die Geburt Christi im Stall mit Maria und Josef. Wenn Albrecht mit dieser rund 2 kg schweren Prachtmitra in Festmessen an hohen Feiertagen auftrat, muss dies sehr eindrucksvoll gewesen sein – vor allem dann, wenn sich das Licht in den beweglichen ovalen Goldpailletten widerspiegelte.

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Marienwallfahrtsort

Wittenberg - ein Marienwallfahrtsort

Wittenberg im späten Mittelalter: das war noch nicht die Stadt der Reformation und Martin Luthers, sondern vielmehr die Stadt Mariens. Die Stadtkirche war – und ist bis heute – eine Marienkirche. Zwischen den beiden Kirchtürmen war an der Außenfassade ein großes Marienbild weithin sichtbar und im Inneren standen mindestens drei Marienaltäre. In der Schlosskirche hatte Kurfürst Friedrich der Weise einen intensiven Marienkult begründet und eine Vielzahl von Andachten, Messen und Prozessionen zu Ehren der Muttergottes gestiftet. Vor den Toren der Stadt, auf dem Boldersberg (heute Apollensberg), stand eine Marienkapelle. 1400 erhob sie Papst Bonifatius IX. mit dieser prachtvollen originalen Urkunde zu einem Wallfahrtsort, dessen Besuch mit einem Ablass verbunden war.

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Maria mit der Lutherbibel

Der Wertewandel, den die Reformation mit sich brachte, bedrohte viele Künstler in ihrer Existenz, insbesondere die Bildschnitzer, für die es fortan keine Aufträge mehr gab. Der aus Würzburg stammende Künstler Peter Dell d. Ä. allerdings gehörte zu den wenigen, die kreativ mit den Widersprüchen der Zeit umgingen und es wagten, das Neue dem Alten an die Seite zu stellen: In einer hinreißenden, als Halbrelief geschnitzten Bildtafel bildet Peter Dell Maria mit ihrem Kind in einem traditionellen byzantinischen Gewand ab, passt sie in eine moderne Renaissance-Architektur ein und lässt kleine Putten Schrifttafeln halten, in denen Zitate aus Luthers Bibelübersetzung zu finden sind. Als Vorbild diente ihm eine Ikone der „Schönen Maria“, die seit 1519 in Regensburg Tausende von Wallfahrern anzog und Inbegriff der katholischen Marienverehrung ist. Sie wird in der Fachsprache als süßküssende Maria bezeichnet. Auch Cranach greift bei seiner reformatorischen Auslegung der Madonna auf diesen Bildtypus zurück. Und Cranach ist es auch, der auf seinen protestantischen Lehrbildern die lutherischen Botschaften durch Texttafeln zusätzlich herausstellt. Peter Dell d. Ä. hielt sich zwischen 1520 und 1540 im albertinischen Sachsen am Hofe Heinrich des Frommen auf, der 1536 in seinem Herrschaftsbereich die Reformation einführte. Dort entstand diese einzigartige geschnitzte Mariendarstellung, die ganz offensichtlich für einen protestantischen Auftraggeber bestimmt war.

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Pietà ohne Maria

Der Umgang der Protestanten mit Maria besitzt viele sehr unterschiedliche Facetten. Darstellungen von biblischen Szenen wie die Verkündigung oder der Besuch Marias bei Elisabeth blieben auch in den evangelischen Kirchen erhalten. Doch es kam ebenfalls zu Zerstörungen, allerdings weitaus seltener als oft angenommen wird. Denn Bilderstürme waren die Ausnahme, zumindest im lutherischen Mitteldeutschland im Gegensatz zu den strikt bilderfeindlichen reformierten Schweizern. Die Aggression galt dabei neben den Heiligen auch Maria, etwa wenn in Magdeburg im Jahr 1524 genau am Fest Mariae Himmelfahrt (15. August) Skulpturen des Magdeburger Doms heruntergerissen wurden. Gezielt gegen Maria war der Angriff gegen die Pietà im thüringischen Orlamünde gerichtet: Christus blieb erhalten, während Maria handwerklich fein säuberlich entfernt wurde. Ob dies 1523/24 geschah, als der Theologe Andreas Karlstadt Pfarrer in Orlamünde war, ist umstritten. Im Gegensatz zu Luther war er ein heftiger Bilderfeind und polemisierte auch gegen "Marienknechte".

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Gebetskette

Ein Rosenkranz im Hause Luther

Maria war bei den Luthers keineswegs vergessen und sogar in ihren Wohnräumen präsent. So spricht Martin Luther selbst von einem Marienbild in seinem Arbeitszimmer, das Maria als Mutter Gottes mit dem Kind zeigt. Auch Marienfeste wurden gefeiert, zwar nicht mehr Mariae Himmelfahrt – da diese nicht in der Bibel belegt ist – aber doch Mariae Lichtmeß (2. Februar), Mariae Verkündigung (25. März) und Mariae Heimsuchung (2. Juli). Beide Eheleute brachten aus ihrem Klosterleben eine intensive Marienfrömmigkeit mit. Katharina gehörte dem Orden der Zisterzienserinnen an, deren Kirchen allesamt Maria geweiht waren. Regelmäßig beteten die Nonnen den Rosenkranz, der im 15. Jahrhundert immer populärer wurde – auch unter den Laien, die sich häufig in Rosenkranzbruderschaften organisierten. Erhalten hat sich sogar die Gebetskette, mit der Katharina den Rosenkranz gebetet haben soll.

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Holzschnitt "Die schöne Maria"

Nachdem im Februar 1519 die Regensburger Juden vertrieben, ihre Synagoge zerstört und unmittelbar daneben bereits im April eine hölzerne Kapelle errichtet und Maria geweiht wurde, begann eine Wallfahrt, die sehr schnell Pilger aus ganz Deutschland anzog. Zu ihrem Ende im Jahr 1525 waren in der Kapelle rund 50.000 Messen gelesen worden – also täglich mindestens 20. Zu diesem großen Erfolg, der für die Stadt Regensburg auch hohe Einnahmen bedeutete, trug auch eine Vielfalt von Werbematerialien bei. Darunter auch ein aufwändiger Farbholzschnitt von Albrecht Altdorfers (um 1480-1538). In einem komplizierten Herstellungsverfahren wurde für jede Farbe eine eigene Platte eingesetzt, die genau zueinander passen mussten und sich bei der Drucklegung nicht verschieben durften. Für seinen Holzschnitt zur „Schönen Maria“ verwendete Altdorfer sechs Platten. Neben Cranach d. Ä., Burgkmair, Baldung Grien und Beham gehört er zu den ersten Künstlern in Deutschland, die mit diesem Verfahren bislang unbekannte Farbwirkungen in der Druckgrafik erzielen konnte. Ganz ohne Zweifel: Dieser ungewöhnliche Holzschnitt wollte auffallen und seine Betrachter nach Regensburg locken.

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Eine Madonna aus Italien

Marias Milch wirkte Wunder – das jedenfalls glaubten die Menschen im ausgehenden Mittelalter. Schließlich hatte sie mit ihr den Gottessohn genährt. So konnte ihre Milch Heilige sehend machen – etwa den Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux – oder aber die Qualen der armen Seelen im Fegefeuer lindern. Als Jungfrau war Maria von Sünde frei und dafür prädestiniert, den Menschen zu helfen. Sie wandten sich in Fürbitte-Gebeten an die Gottesmutter, in denen sie um das Wohl der im Fegefeuer geläuterten Verstorbenen baten. Diese Zusammenhänge veranschaulicht das Tafelgemälde eines anonymen Künstlers aus Mittelitalien, das den Titel „Madonna del Suffragio“ (Maria als Fürbitterin) trägt und jetzt erstmals in Deutschland zu sehen ist. Es zeigt Maria inmitten einer kargen, dürren und felsigen Landschaft als „Wohltäterin und Trösterin der armen Seelen im Fegefeuer“. Aus ihren entblößten Brüsten ergießen sich feine Milchstrahlen auf den Erdboden, in dem die nackten Seelen von Flammen umzüngelt feststecken und Maria um Hilfe und Erlösung anflehen.

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Das Heiltumsbuch

Heiltumsbuch der Wittenberger Schlosskirche

Wenn der leidenschaftliche Reliquiensammler Kurfürst Friedrich der Weise ein besonderes Stück haben wollte, trennte er sich im Gegenzug auch schon mal von anderen liebgewonnen Objekten: Für ein Stück des echten Kreuzes und einen Stofffetzen vom Gewand Christi tauschte er 1510 selbsterlegte Jagdtrophäen ein, für Reliquien aus Frankreich trennte er sich 1519 auch schon mal von einem Cranach-Gemälde oder gab dafür andere Reliquien im Tausch. Bis zu seiner Auflösung nach dem Tod Friedrichs war die Sammlung des sächsischen Kurfürsten die größte ihrer Art nördlich der Alpen. Doch die Passion für Reliquien rührte nicht nur von seiner persönlichen Frömmigkeit her, sie war auch eine Demonstration von Macht und Reichtum gegenüber den anderen europäischen Fürstenhäusern. So erklärt sich auch der von Friedrich beauftragte „Ausstellungskatalog“, das Wittenberger Heiltumsbuch, in dem alle bis dahin gesammelten Reliquiare mit ihren darin befindlichen hochgeschätzten Inhalten aufgelistet wurden. In der 2. Auflage von 1509/10 umfasste sie 117 kostbar gearbeitete Reliquiengefäße mit insgesamt 5005 Partikeln von Heiligen. Wie auch die öffentliche Zeigung der Reliquien, die Heiltumsschau, die zweimal jährlich vor Ostern und an Allerheiligen an der Schlosskirche für die versammelten Pilger durchgeführt wurde, war auch das Buch nach „Gängen“ geordnet, mit dem Höhepunkt am Schluss: Reliquien, die mit der Familie Christi und natürlich mit dem Heiland selbst und seiner Passion zu tun hatten. Als großer Marienverehrer hatte Friedrich der Weise auch etliche Reliquien in seinem Heiltumsschatz versammelt, die der Jungfrau Maria zugerechnet wurden. Darunter befanden sich einige, die der junge Kurfürst bei seinem Besuch im Heiligen Land dort selbst erworben hatte, etwa Steine und Erde von den Lebensorten Mariens. Andere Reliquien bedurften allerdings ein hohes Maß an Glaubensüberzeugung, um sie für authentisch zu halten, wie etwa ein Fläschchen der Milch Mariens oder Stroh von der Krippe des Jesuskindes. 

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Das Einhorn

Vom Symbol Christi zum Spielzeug

In vielen Kinderzimmern gibt es heute Einhörner - gern mit flauschigem rosa Fell und Glubschaugen. Konjunktur hatte das Einhorn bereits vor mehr als 500 Jahren: Auf vielen Bildern des Spätmittelalters kommt es vor - den Kopf im Schoß einer jungen Frau. Oft spielt die Szene in einem verschlossenen Garten ("Hortus conclusus"), ein Bildmotiv, das auf das alttestamentliche Hohelied zurückgeht: "Meine Schwester, meine Braut, du bist ein verschlossener Garten, eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Born." Der verschlossene Garten wurde als Symbol für die Jungfräulichkeit der Maria verstanden. Und das Einhorn? Es symbolisiert Christus. Der Legende nach konnte das Einhorn nur von einer Jungfrau bezwungen werden. Und der Gottessohn konnte nur von einer Jungfrau geboren werden. Einst schmückte das Relief aus Lindenholz die Marienwallfahrtskirche in Grimmenthal, die in ihren Hochzeiten, in den 1520er-Jahren, jährlich von über 40.000 Pilgern aufgesucht wurde.

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Maria, geschnitzt und ausgehöhlt

Die Schreine der mittelalterlichen Schnitzaltäre zierten wunderbare, farbig gefasste, manchmal auch vergoldete Holzplastiken. Immer dabei war Maria, umgeben von anderen Heiligen oder szenischen Darstellungen der Heilsgeschichte. Die gekrönte Gottesmutter stand im Zentrum, auf einer Mondsichel und war meist von einem Strahlenkranz umfangen, gelegentlich thronte sie auch. Realismus, Individualität und Ausdruckskraft dieser Schnitzplastiken sowie ihr überirdischer Farbglanz zogen nicht nur die Gläubigen der damaligen Zeit in ihren Bann, sondern faszinieren uns auch heute noch.

Doch wie die Figuren gearbeitet und montiert wurden, dass wussten nur die Bildschnitzer. In der Marienausstellung erlaubt die freistehende Präsentation der elf Schnitzplastiken aus der Sammlung Bührle ganz ungewohnte Blicke auf ihre Rückseiten und verrät uns so das Geheimnis ihrer Anfertigung und Aufstellung: Die meisten Plastiken sind hinten ausgehöhlt. Das geschah, damit das frische Holz schneller austrocknete und dabei nicht riss. Uns sagt es, dass eben diese Figuren für die Aufstellung in einem Altarschrein bestimmt waren. Denn wenn die Rückseite nur abgeflacht oder sogar plastisch ausgearbeitet ist, dann standen sie frei auf einem Sockel.

Maria als Mutter mit dem Kind ist das älteste und zugleich einzige autonome Frauenbild, das sich in der sakralen Kunst im Mittelalter durchsetzte. Die Ausstellung zeigt herausragende Beispiele aus allen Regionen Deutschlands.

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Maria in der Götzenkammer

Ein Junge in dem kleinen vogtländischen Dorf Marieney, Anfang des 19. Jahrhunderts, sein Vater ist Lehrer und Kantor der Kirche: Der Junge ist neugierig und geht immer wieder in der alten Dorfkirche auf Erkundungstour. Über der Sakristei befindet sich ein Dachboden, verschlossen durch eine Bretterwand. Durch ein Astloch sieht er nur Finsternis, bis eines Tages ein Lichtstrahl durch eine Ritze an der Außenwand in den Raum fällt und der Junge, er heißt Julius Mosen, dort plötzlich eine Marienstatue erkennt. Doch der Pfarrer ist über diese Entdeckung überhaupt nicht erfreut, sondern bestellt umgehend Handwerker, die den Raum wieder blickdicht vernageln. Erst Jahrzehnte später wird die Marienstatue samt anderen Figuren geborgen und befindet sich seit Ende des 2. Weltkriegs im Vogtlandmuseum Plauen.

Spätmittelalterliche Statuen wurden nicht nur in Marieney aus dem Kirchenraum entfernt und weggesperrt, sondern auch an zahlreichen anderen Orten in Mitteldeutschland. Gerade bei Marienfiguren geschah dies in protestantischen Kirchen häufig, um sie der Verehrung zu entziehen. Doch offensichtlich wollten die Gemeindemitglieder sie nicht zerstören, sondern nur verstecken, da die vorreformatorischen Ausstattungsstücke ihnen seit Kindheit vertraut waren und für sie auch einen materiellen und künstlerischen Wert besaßen. So kamen die Statuen in Räume und Verschläge, die man „Götzenkammern“ nannte. Dort überlebten sie, gerade in Dorfkirchen meist völlig vergessen, bis sie im 19. Jahrhundert von den Heimat- und Altertumsvereinen wiederentdeckt wurden. So auch diese Madonna eines unbekannten Meisters um 1500 aus Marieney.

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