Museum zum Mitnehmen

Ein museumspädagogisches Angebot der Kulturellen Bildung in Mansfeld für zu Hause oder unterwegs.

Mansfelder Murmeln

Lange Zeit gingen die Historiker*innen davon aus, dass Kinder in der harten Alltagswelt des Mittelalters kaum oder nur wenig Zeit zum Spielen hatten. Doch Bild- und Schriftquellen sowie mittelalterliche Spielzeugfunde belegen, dass es zahlreiche Gelegenheiten zum Spiel gab.

Der zufällige Fund einer im frühen 16. Jahrhundert mit häuslichem Abfall verfüllten Grube an Luthers Elternhaus in Mansfeld im Jahr 2003 erlaubte einen bis dahin völlig unbekannten Blick in die Lebensverhältnisse des jungen Martin Luther und seiner Familie. Im Fundgut befanden sich metallische Applikationen aufwendiger Frauentrachten, Silbermünzen, knöcherne Messergriffe und Kinderspielzeug, die zusammen mit Küchenabfällen und zerbrochenem Kochgeschirr entsorgt worden waren. Darunter befanden sich tönerne Murmeln, die bei den Ausgrabungen geborgenen wurden. Sie sind recht grob geformt und von unterschiedlicher Größe – es scheint, als wären sie von Kinderhand geformt und anschließend im Küchenfeuer der Mutter gebrannt worden.

Das Spielzeug aus Mansfeld erhält seinen besonderen Reiz, da es aus dem Abfall einer bekannten Familie stammt. In Mansfeld hat Martin Luther seine Kindheit und Jugend verbracht und blieb zeitlebens eng mit der Stadt und der Region verbunden. In einem Brief vom 7. Oktober 1545 stellte er sich gar als „Mansfeldisch Kind“ vor. Diese Mansfeldische Kindheit Luthers wird im Museum Luthers Elternhaus – vor allem anhand der spannenden archäologischen Fundstücke – erlebbar.

Das Spiel mit Murmeln war schon damals ein beliebter Zeitvertreib für Jung und Alt. Über die genaue Art des Spiels zur Zeit des kleinen Luthers lässt sich jedoch nur spekulieren. Mit unserem Set „Mansfelder Murmeln“ kannst Du Dir Dein eigenes Murmelspiel herstellen – mit Tonmurmeln, einem kleinen Lederbeutel und Spielfeld – und anschließend „Rundmühle“ spielen. Und so geht es:

Leder ausschneiden

Das Leder ausschneiden

Schablone auflegen

Muster mit der Schablone aufmalen

Lederriemen einfädeln

Lederriemen einfädeln

Murmeln im Lederbeutel

Murmeln im fertigen Beutelchen

Der Beutel als Spielfeld

Der Beutel als Spielfeld

Lederbeutel herstellen

  • vorgezeichneten Kreis aus dem Leder ausschneiden,
  • Schablone aus dem Papier ausschneiden, auf den Lederkreis legen und einen inneren Kreis nachzeichnen; darin das Spielfeld (Speichenrad) übertragen,
  • das Band in die vorgestanzten Löcher einfädeln,
  • die Bänder am Ende verknoten (Bänder nicht kürzen!) und den Lederkreis zu einem Beutel zusammenziehen

 

Murmeln und Würfel herstellen

  • Ton in 6 etwa gleichgroße Stücke teilen,
  • aus den Stücken 3 Kugeln sowie 3 Würfel formen und an der Luft trocknen lassen (lufttrocknenden Ton eventuell vorher leicht anfeuchten),
  • nach etwa ein bis zwei Tagen ist der Ton an der Luft gehärtet und kann noch bemalt werden,
  • die Spielsteine lassen sich in dem Lederbeutel, der gleichzeitig auch das Spielfeld ist, gut aufbewahren

 

Anleitung für "Rundmühle"

  • Rundmühle ist ein Spiel für zwei Spieler*innen. Spieler*in 1 erhält die 3 Murmeln, Spieler*in 2 die 3 Würfel. Ziel des Spieles ist es, eine Mühle zu bilden.
  • Das Spielfeld hat acht Felder auf dem Kreis und ein Feld im Zentrum, welche mit den Murmeln und Würfeln zu besetzen sind.
  • (1) Die Spielsteine werden von den Spielern abwechselnd gesetzt, bis alle 6 auf dem Spielfeld liegen. (2) Danach darf jeder Spieler mit einem seiner Spielsteine ein Feld weiterziehen, wobei ein Stein immer nur auf ein unbesetztes Nachbarfeld verschoben werden darf. Es darf nicht übersprungen werden.
  • Gewinner*in des Spiels ist, wer die Mühle bilden kann. Dabei müssen die eigenen drei Spielsteine in einer geraden Linie liegen. Die Mitte muss also dazu immer besetzt sein. Übrigens besteht Zugzwang! Das heißt, es darf nicht auf den eigenen Zug verzichtet werden.